Krimi-Rezenzion: "Atemnot" ist ein solider britischer Krimi vonElizabeth Haynes

Gut, vielleicht konnte es nach Pekka Hiltunens Krimi "Das schwarze Rauschen" nur besser werden, aber auf jeden Fall geht Haynes "Atemnot" aus diesem Vergleich als Sieger hervor. Denn auch wenn sie weder Hochspannung aufbaut noch wahnsinnig innovativ ist, ist ihr ein solider England Krimi gelungen. 



Zwei Tote, ein Zusammenhang?

Auf einer Farm wird eine junge Frau tot aufgefunden. Schnell stellt sich heraus, dass sie ein äußerst lebenslustiges Mädchen war, das viele gebrochene Herzen hinterlassen hat. Nur kurze Zeit später wird ihre Nachbarin ebenfalls tot in einem Steinbruch gefunden. Scheinbar hat sie Selbstmord begangen, doch das Team um die hübsche DI Louisa Smith glaubt nicht an einen Zufall. Hartnäckig ermitteln sie im Umfeld der Opfer und warten geduldig bis sich der Ehemann der angeblichen Selbstmörderin vom Herzinfarkt erholt hat, den er erlitten hatte, als er die Nachricht vom Tod seiner Frau erhielt. Doch Dank eines zum Seitensprung neigenden Kollegen und ehemaligen Liebhaber von DI Lou ist bald eine weitere Verdächtige aufgetrieben. Und die führt munter Freunde und Fremde in die SM-Szene ein.

Ein netter erster Teil

Manchmal sind erste Teile einer geplanten Krimi-Reihe so eine Sache. Ich erinnere mich z.B. ziemlich ungern an "Das Lied der Sirenen" von Val McDermid, einer Krimiautorin, die ich ansonsten sehr schätze. Auch hier gibt es für meinen Geschmack zu viel dunkle Erotik, zu viel reißerische Verwicklung der Ermittler mit den Fängen der Verdächtigen. Gleiches gilt für Hayes "Atemnot". Doch lassen wir dieses zu Viel an gewollt wirkenden Verstrickungen einmal beiseite, so erkennen wir einen vielversprechenden Ansatz. Die Ermittlerin ist sympathisch und trotz ihrer leicht zu verführenden Art - denn natürlich ist der Untergebene, der sich hier ins Verderben stürzt nicht der einzige Anwärter für ihre private Gunst - eine vielversprechende Protagonistin. Für überkommene Rollenmuster scheint Haynes wenig übrig zu haben, denn sowohl Frauen- als auch Männerrollen sind sehr unterschiedlich angelegt und zeigen eine angenehme Varianz. Dass dabei auch schon mal ein Prototyp-Macho vorkommt, sei ihr verziehen. Die Atmosphäre stimmt auch, die typisch britische Umgebung wird plastisch und lädt zum Versinken ein.

Der Aufbau folgt einem klassischen Whodunnit-Plot. Neben die Ermittlungen tritt in anderen Erzählsträngen das Privatleben der Polizisten. Dies ist zwar naturgemäß spärlich, aber immerhin verstehen die Kollegen sich untereinander und gehen gerne mal nach dem Dienst gemeinsam essen. Dabei kommt es dann natürlich zu Geplänkel und auch mal zu Wetten darüber, zwischen wem dieses sich entspinnen wird. Insgesamt entfaltet sich so im Kollegium eine angenehme Klassenfahrtsatmosphäre, die die Ermittlungsarbeit ganz gut kontrastiert. Auch die Leben der Personen im Umkreis der Ermordeten werden natürlich auf ähnliche Weise in Parallelhandlungen erkundet. Am Ende führen dann viele dieser Erzähstränge in einem Showdown wieder zusammen. Einige andere bleiben in der Luft hängen, als Cliffhanger, und auch hier hat die Autorin ihr Handwerk solide ausgeführt, denn am Ende ist man tatsächlich gespannt auf den nächsten Teil.

Vielleicht eine Krimi-Hoffnung

Ich weiß, dass es jetzt vor allem darum geht, eine eindeutige Empfehlung auszusprechen - lesen oder lieber nicht. Aber so klar ist der Fall hier nicht. "Atemnot" ist durchaus ein netter Zeitvertreib und für alle Freunde der klassischen englischen Krimitradition sicher seine Zeit wert. Allerdings habe ich das dringende Gefühl, dass von dieser Autorin mehr zu erwarten ist. Natürlich kann ich mich täuschen, aber ich denke, dass das Potential dafür, dass der zweite Teil wesentlich besser und seinem Label "Thriller" eher gerecht wird, in diesem ersten Teil bereits hervorschimmert. Manche Autoren brauchen etwas Zeit um ins Schreiben zu kommen. So würde ich also mein abschließendes Urteil lieber auf den zweiten Teil verschieben und alle an Hochspannung interessierten Leser dieses Blogs um Geduld bitten. Wenn Teil 2 ein wahrer Knüller werden sollte, so werde ich hier davon berichten. Bis dahin gilt es, weitere Krimiautoren zu erkunden.

Haynes, Elizabeth: Atemnot. Berlin Verlag 2014. ISBN: 9783833309564. 9,99€

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