ChickLit-Rezension: "Für immer? Von wegen" von Elli Minz ist ein typischer Frauenroman - leider

Manchmal folgt das Leben so einfachen Gesetzen. Wenn ich a) keine Frauenromane mag und b) das Buch, das ich beginne ein solcher ist, so steht von Vornherein fest, dass es mir nicht gefallen wird. Zum Glück weiß ich aus meinem Psychologie-als-Nebenfach-BA-Studium, dass es ganz normal ist, dass Menschen logische Schlussfolgerung ignorieren, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. So bin auch ich keine Ausnahme und so bin auch ich selbst Schuld, dass ich mich von der Annahme habe blenden lassen, mit "Für immer? Von wegen!" den ersten Frauenroman zu finden, bei dem es anders ist.


Für immer? Ja, aber hallo!

Der Roman beginnt mit dem schönsten Tag im Leben Emilys, der schnell zum denkwürdigsten wird. Ihr Bräutigam Jan haut nämlich kurz vor Beginn der Zeremonie ab und lässt sie ganz in weiß mit dem Familienschmuck behängt einfach stehen. Was tut man in so einem Fall? Nun ja, manch einer würde sich vielleicht in die Arbeit flüchten und warten, bis es vorbei ist. Nicht so Emily. Sie wirft sich in ihr Leid als gelte es, etwas zu beweisen. Das beginnt mit einem wirklich showreifen Besäufnis ganz in weiß und beinhaltet das gründliche Verprellen aller Freunde und nicht zu vergessen die Kapitulation vor ihrer Arbeit. Kurzerhand verkauft sie ihren Anteil an einer Luxuspartneragentur, denn auf einmal kommt ihr die Einsicht, dass füllige, mit gold behängte Frauen, die im Alltag nie einen Partner finden würden, gefälligst ihre Ansprüche herunterschrauben sollten, anstatt zu glauben, mit Geld könne man Zuneigung kaufen. 

Apropos wählerisch sein. Natürlich können all die Ereignisse Emily nicht davon abhalten, ihren Jan zu verehren - selbst als sie schon weiß, dass noch nicht einmal sein Name echt ist. Gut, ihr merkt es schon selbst und darum mache ich es kurz, mir ist die Protagonistin von Elli Minz' Roman nicht einen einzigen Augenblick lang sympathisch gewesen. Das wurde durch das reiche Umfeld, in dem sie sich bewegt, auch nicht gerade besser. Sie ist ein richtig verwöhntes Gör und ganz unverhohlen eine Zimtziege. Da helfen auch keine mildernden Umstände. Eine verlassene Diva ist nicht besser als eine zufriedene Diva. Bei all dem Egoismus, den die Protagonistin an den Tag legt, bleibt am Ende dann auch die Frage offen, warum sie für Jan so weit geht, dass sie sogar nach Südamerika fährt, um ihn zu suchen. Dass Jan erhofft hat, ihren Fängen auf diese Weise zu entkommen wäre sehr viel leichter nachvollziehbar und vielleicht ein origineller Gedanke, doch damit wäre das Genre Chicklit natürlich aus den Angeln gehoben.

Der mittellose Künstler-Gangster-Geheimnis-Typ

Das ist er. Jan, der eigentlich nicht Jan heißt, mittelloser Goldschmied, der von seinen Schwiegereltern in Spe schon vor der Hochzeit ausgebotet wird. Denn natürlich trägt ihre Tochter Muttis Schmuck und nicht den selbstgebastelten Tand des Bräutigams, den Emily später in seinem Atelier findet und der eine kitschige Gravur trägt, die der Ewigkeit huldigt. 

Aber eigentlich ist Jan ein ganz schlimmer Finger. Von der Polizei gejagt und immer auf der Flucht. Er ist nämlich eigentlich von Beruf Betrüger (sag bloß), also ein intelligenter Gangster, der eigentlich keiner Fliege was zu Leide tut. Und am Ende doch nicht ganz so mittellos wie gedacht. 

Emily jagt Jan, Jan jagt das Glück und Elli Minz jagt die Klischees

Es ist immer besonders schade, wenn man das Gefühl hat, dass jemand, der eigentlich einen angenehmen Schreibstil hat, sich den Traditionen des gewählten Genres zu sehr hingibt. Bei Elli Minz' Roman ist dies leider der Fall. "Für immer? Von Wegen!" ist sehr abwechslungsreich geschrieben. Die Sprache ist ungekünzelt und pointiert. Dafür ist aber jede Hauptfigur in ihrem Roman mit Genreklischees überladen. Das würde weniger auffallen, wenn es nur um Emily und ihr Umfeld der Tochter aus reichem Hause ginge. Doch auch Jan folgt den Genrevorgaben allzu exakt. Sogar die 'exzentrische' Dame, die Emily im Flugzeug trifft, ist auf ausgesprochen herkömmliche Weise exzentrisch. Leider wartet man vergebens auf eine Brechung dieses Übermaßes an Erwartbarem.

Aber, und so komme ich endlich zu meiner Ausgangsüberlegung zurück, das ist im Grunde ja genau das, was Chicklit eben ausmacht. Elli Minz steht da nicht hinter bekannteren Kolleginnen ihres Genres zurück. Ich weiß von der Lektüre anderer Blogs, dass sie von Lesern, denen Frauenromane Spaß machen, sehr gerne gelesen wurde. So muss ich diese Rezension leider mit einem etwas unbefriedigtem "wem's gefällt" beenden. Von der Autorin weiß ich, dass sie bereits an einem neuen Werk sitzt, ein anderes Genre diesmal. Ich bin gespannt und pflege die Hoffnung, dass ich darüber dann freundlichere Worte bereit haben kann.

Elli Minz: Für immer? Von wegen! Selfpublished 2013. ASIN: B00HTNVC4O. 0,99€.

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