Montagsfrage: Welcher Romanfigur möchtest du dringend etwas sagen

Es ist mal wieder eine Montagsfrage im Bloggoversum unterwegs, die mein Interesse geweckt hat. Nina von Libromanie hat uns gefragt, welcher Romanfigur wir gerne mal etwas sagen würden. Nun sind bereits einige Antworten eingegangen, die der Frage nachgehen, welcher Figur man gerne mal so richtig die Meinung sagen würde. Was diesen Aspekt der Montagsfrage angeht, bin ich vollkommen bei Melissa von der Eulenpost und ihrer Antwort. Damit ich also nicht der/die x-te BloggerIn bin, die ihrem Ärger über dämliche Figuren Luft macht (und es gibt ohne Frage viele davon), möchte ich eher überlegen, mit welcher Figur ich mich mal richtig gerne unterhalten würde.



Die stumme Zeugin

Das ist eigentlich gar keine einfache Frage, denn meistens finde ich es herrlich als Leserin im Verborgenen zu sitzen und zu beobachten, was die Figuren so tun. Viele Romanhelden sind ja nun auch nicht gerade die geborenen Simpathikusse, die man gerne um sich hat. Ich liebe ja zum Beispiel die Romane Daniel Kehlmanns, aber bei Licht betrachtet sind seine Figuren oft soziopathisch veranlagt oder haben zumindest tiefgreifende psychologische und soziale Probleme. Vor allem seit der BBC Verfilmung mag ich auch Sherlock Holmes, aber möchte ich darum in Dr. Watsons Haut stecken? Gott bewahre! Oder wenn ich auf Harry Potter träfe, dann wäre es wahrscheinlich so, dass ich ihn ständig vor dem Bösen bewahren wollen würde und so die ganze Handlung sabotieren würde. Nein, ich fürchte, Romanhelden eignen sich nicht sonderlich als Gesprächspartner.

Bloß Randfiguren?

Und als ich so über Ninas Frage nachdachte, fiel mir langsam auf, dass die Figuren, mit denen man sich wirklich mal gerne unterhalten würde, eher die Randfiguren von Romanen sind. Als allererstes würde ich gerne Nina aus dem Roman "So was von da" von Tino Hanekamp sagen, was für ein prima Mädchen sie ist und sie fragen, ob sie eigentlich merkt, wie sehr sie es schafft, ihre Freunde zusammen zu halten. Ich würde gerne einmal mit Petra aus dem Roman "Delfinarium" über ihr Verständnis von Politik diskutieren. Und ich würde wirklich gerne einmal mit der Anwältin von Ram aus "Rupien, Rupien" (der Romanvorlage zu Slumdog Millionaire) sprechen und sie fragen, woher sie den Mut nimmt, ihren Jugendfreund aus dem Gefängnis zu holen - als Frau in einem von patriarchalen Strukturen geprägten korrupten Land. Leider weiß ich noch nicht einmal mehr ihren Namen.

Die eigentlichen Helden

Und so möchte ich Ninas Frage einfach mal kollektiv beantworten. Ich würde gerne mal allen Randfiguren der literarischen Welt sagen, dass sie die wahren Helden sind. Ohne sie wären die Protagonisten um einiges ärmer. Alle Watsons und Ron Weasleys dieser Welt sollten sich also endlich bewusst werden, dass ohne sie gar nichts funktionieren würde!

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