Die Geister, die wir riefen - ein Beitrag zur Blogtour der Weltenschmiede

Die Weltenschmiede ruft zur Blogtour und ich freue mich, dabei sein zu dürfen. Da bald Halloween ist, geht es natürlich um Geister, Dämonen und das Böse an sich. Da dieser Blog literarisch lebt, geht es natürlich in meinem Beitrag darum wie diese in der Literatur verarbeitet werden. Und da ich festgestellt habe, dass das nicht in drei Sätzen zu beschreiben ist, gibt es bei mir ab heute und in den nächsten Tagen eine Mini-Artikelserie zum Thema Geister. Heute geht es um die Wende von der Mittelalterlichen Trennung von Gut und Böse zur schauerromantischen Vorstellung der inneren Geister.



Die Geister, die wir riefen - eine mini-Artikelserie
 
Spätestens seit der Schauerromantik wissen wir, dass man Geister nicht nur außerhalb unserer selbst findet. Konnte man sich zuvor noch darauf verlassen, dass der Teufel einen Klumpfuß hatte und dass derjenige, der hässlich aussah auch Hässliches tun würde, so sorgten Autoren wie E.T.A. Hoffmann dafür, dass Böses plötzlich im Schönen lauerte oder dass sogar Böses und Gutes in einem Menschen zu Hause sein konnte. Und was vielleicht das Allerschlimmste war, dass das Böse im Icherzähler lauern konnte und von ihm selbst auch so wahrgenommen wurde. Heute gibt es sie wieder die Bösen. Vampire und Geister, Dämonen und Monster feiern ihre Rückkehr in die Literatur. Und doch sind sie oft ganz anders, als man sich das so vorstellt. Entdeckten die Schauerromantiker das Böse im Guten Menschen, so erfanden J.K. Rowling, Stephenie Meyer und Co. das Gute im bösen Wesen. Sind sie darum von der Bildfläche verschwunden, die inneren Geister, die literarische Protagonisten so umtreiben? Ich werde mich in meiner Artikelserie auf die Suche nach den jeweiligen Vorstellungen von Gut und Böse und der Rolle der Geister machen. Macht euch auf Unheimliches gefasst!

Als die Welt noch in Gut und Böse zu unterteilen war

Wie einfach es wäre, wenn das Gute immer schön und das Böse immer hässlich wäre. Jede Entscheidung wäre eindeutig, jede Versuchung erkennbar. Würde man doch einmal zweifeln oder desorientiert sein, der rechte Weg würde sich bald zeigen und man könnte jederzeit zu ihm zurückkehren. Natürlich war das mittelalterliche Bild von bösen Geistern etwas religiös verklärt und vielleicht ein bisschen padagogisch gemeint, doch trotzdem darf man die Kraft dieser Ideen nicht kleinreden. Schließlich waren selbst unsere Klassiker davon überzeugt, dass das Schöne zum Guten führt. Auch wenn die Geister meist das Nachsehen hatten, gab dieses Weltbild doch viel Sicherheit.

Böse aber schön, gut aber hässlich - eine Zeit des Übergangs

In ihren jungen Schriftstellerjahren trieben auch unsere Klassiker Goethe und Schiller einige Ideen voran, die das Böse weniger personifiziert und etwas psychologischer beschrieben. Doch die in meinen Augen zentrale Wendung in Sachen Geister in die Literatur haben sie damit noch nicht geschafft. Das waren wohl eher zunächst die britischen Romantiker mit ihrer morbiden Vorliebe für das Böse und später bei uns dann der viel zu oft unterschätzte E.T.A. Hoffmann mit seinen tiefenpsychologischen Auseinandersetzungen mit dem Bösen. Bram Stokers Dracula kann man vielleicht als eine Art Übergang vom mittelalterlichen Gut - Böse-Schema zur Psychologisierung des Dämonischen beschreiben. Hier treibt ein anziehend wirkender Gentleman sein Unwesen, der vom Bösen besessen ist. Auch wenn er ursprünglich eine gute Seele hatte, so kann diese doch erst nach seinem Tod und ordnungsgemäßer Durchführung einiger Rituale, zum Vorschein kommen. Auch Mary Shelleys Frankenstein bricht mit den Traditionellen Vorstellungen von Monstern. Ihr tragischer Held ist so hässlich, wie man sich das nur vorstellen kann und seine innersten Wünsche so rein wie die eines Babys, das von seiner Mutter keine Zuwendung erfährt.

Als Teufel und Vampire in den Menschen einzogen

Ganz anders sind die Wesen bei E.T.A. Hoffmann, allen voran der Mönch Medardus. Er ist die meiste Zeit seines Lebens gut, er ist schön und doch lauern böse Seiten in ihm. Er reagiert auf die Widrigkeiten in seinem Leben mit schwerer psychischer Deformationen. Er spaltet seine Persönlichkeit auf. Das befreit ihn allerdings icht von der bewussten Wahrnehmung davon, dass er selbst es ist, der böse ist, obwohl er eigentlich gut sein will. Oder aber das Dämonische wird zum Motiv, das klar als seelische Versehrtheit zu deuten ist. Wie zum Beispiel in der Vampirgeschichte aus den Serapionsbrüdern. Hier wird die Vampirin zu einer viel zu früh und gegen ihren Willen verheirateten jungen Frau, die auf die neue Bedeutung der Sexualität in ihrem Leben mit Promiskuität und Essstörungen reagiert. Berühmtestes Beispiel ist und bleibt vielleicht aber "Der Sandmann", in dem die eigene Psyche dem Protagonisten Trugbilder vorspielt und er irgendwann nicht mehr zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden kann.

Die Geister, wie wir sie riefen

Ihr fragt euch jetzt sicher und das zu Recht, was das dann eigentlich noch mit Geistern zu tun hat. Nun, sie sind die Trugbilder unserer Fantasie. Sie sind die Projektionen dessen, was wir empfinden, wenn wir mit dem Bösen konfrontiert werden. Sie sind die Verzerrungen dessen, was wir wahrnehmen, wenn wir etwas sehen, das wir nicht verstehen. Die Geister sind dann etwas, das erst dadurch entsteht, dass wir die Welt in Gut und Böse teilen wollen und uns selbst und andere an diesem Schema messen. Die Geister sind die Tücken unserer eigene Psyche. Eine durchaus sehr unheimliche Vorstellung von Geistern...

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