Heinz Strunk beim HarbourFront Festival gesehen - aus Bock

Als aufmerksame Leser dieses Blogs habt ihr sicher bemerkt, dass ich ein mehr oder weniger heimlicher Fan von Heinz "Heinzer" Strunk bin. Ja, ich gehöre zu den Menschen, die sich über seine trashigen Auftritte schlapplachen können und es passiert mir schon mal, dass ich wissend in mich hineinschmunzele, wenn ich an der S-Bahn Sternschaze vorbeigehe, wo das Trio Studio Braun einst in glänzenden Synthetikleggins "Mariacron" zum Besten gab. Ich mag diese Art von Trash. Aber, ganz ehrlich, lässt sich damit wirklich ganz allein auf einer großen Bühne ein Lesungsabend füllen? Na, und wie!
(Vor Augenkrämpfen angesichts des modischen Auftretens sei gewarnt!)


Das Erstaunlichste an der Lesung zu seinem neuen Buch "Junge rettet Freund aus Teich" am letzten Freitag (den 13. ...) ist, dass Heinz Strunk aus einem beim stillen Lesen ganz leise und nachdenklich wirkenden Werk plötzlich ein Feuerwerk der Situationskomik macht. Dazu führt unter anderem eine wohl durchdachte Dramaturgie, die zeigt, welch große Kunst darin liegt, ein Publikum zum Lachen zu bringen. Was der Autor nämlich als wenig professionelle Zettelsammlung in seiner Hand beschreibt, ist eine sorgsam durchdachte und gewissermaßen geremixte Kurzgeschichte, die aus einzelnen Abschnitten seines Romans besteht. Ja, Heinz Strunk will sich absetzen von den Autoren, die mit zitternden Händen nach ihrem Wasserglas greifen, um eine bedeutungsschwangere Pause offenbar werden zu lassen - das sagt er gleich vorneweg.

Heinz Strunk zeigt im Gegensatz, dass er einer von uns ist. Nicht selten unterbricht er sein Lesen, um etwas zu ergänzen und dann schmunzelnd ein "Man kennt das" anzufügen. Er freut sich über Ausdrücke, die er "bei seiner Recherche" aus den tiefen der Hamburger Jugendsprache ausgegraben hat wie das lange nicht mehr zu hörende "anschwulen". Er lässt "En Passant" einige seiner 17 unterschiedlichen Sprechstimmen einfließen und gibt freimütig zu, dass er eigentlich nur eine Omastimme immitieren kann, obwohl das Buch zwei bräuchte. Am Ende improvisiert er dann wie so gerne auf seiner Querflöte "weil er das wirklich richtig kann".

Nach viel zu kurzen 90 Minuten bleibt ihm dann nur noch, auf seine nächsten Projekte zu verweisen. Er spricht kurz über sein nächstes Buch - einen Krimi über den Hamburger Serienmörder Fritz Honka - und liest einen sehr skurrilen Brief an diesen vor, den er "während seiner Recherche" gefunden habe. Dann geht's nach einem Päuschen von 6-7 Minuten ans Signieren und hinterher in die Stammkneipe Honkas, den goldenen Handschuh auf dem Kiez - "aus Bock".

Allen, die mal Bock auf eine richtig gute Lesung haben, die einem Künstler begegnen wollen, der außerdem auch noch richtig Querflöte spielen kann, allen, die keine Berührungsängste mit der trashigen Seite unserer Kultur haben und allen, die ihre Freunde immer noch mit "Moinsen" begrüßen und manchmal mit "Tschüssikowski" verabschieden, kann ich nur sagen: Wenn Heinzer das nächste mal kommt, müsst ihr dabei sein!

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