Jugendbuch-Rezension: Der Kriminalroman "Wo die Liebe tötet" von Jennifer Shaw Wolf fesselt durch subtile Spannung

Ein mysteriöser Unfall, Freunde, die plötzlich keine mehr sind und ein Kindheitsfreund, von dem eine dunkle Anziehung auszugehen scheint - als Allie nach einer schweren Kopfverletzung nach Hause kommt, ist plötzlich nichts mehr so, wie es war. Jennifer Shaw Wolf zeichnet in ihrem neuen Jugendroman "Wo die Liebe tötet" nicht nur die subtile Spannung eines ungeklärten Todesfalles auf, sie porträtiert auch das Leben in einer amerikanischen Kleinstadt. Darüber hinaus erzählt sie eine zarte Liebesgeschichte. Es ist also beinahe für jeden Leser etwas dabei.

Obwohl Allie ein hübsches und fröhliches Mädchen ist, als sie nach langem Nomadentum endgültig mit ihren Eltern in die Heimat ihrer Mutter zieht, gelingt es ihr nicht, dort heimisch zu werden. Das hat wohl nicht zuletzt mit Trip zu tun, dem Jungen, in den sie sich in ihrem ersten Sommer dort Hals über Kopf verliebt. Der verlässt für sie nämlich seine derzeitige Freundin Hannah, das beliebteste und einflussreichste Mädchen der Highschool.

Eine bedrohliche Liebe

Doch Trip ist nicht immer der, der er nach außen hin zu sein scheint. Er bringt Allie dazu, ihren Zwillingsbruder zu vernachlässigen, den sie nicht nur innig liebt, sondern für den sie sich auch verantwortlich fühlt, da er durch einen Geburtsfehler an den Rollstuhl gefesselt wurde. Außerdem möchte Trip nicht, dass Allie sich weiter mit ihrem Kindheitsfreund Blake trifft. Allie gibt alles für ihren Freund auf. Nach seinem Tod durch einen tragischen Unfall bleiben ihr nur zahlreiche Narben und ein schrecklicher Verdacht.

Auf den ersten Blick scheint dieses Jugendbuch wenig Ungewöhnliches für seine Leser bereitzuhalten. Doch wie im Leben der Protagonistin Allie ist auch hier der erste Eindruck anders, als man es für möglich hält. Es wird nicht einmal wieder die Geschichte des unscheinbaren Mädchens erzählt, in den sich der Schwarm der Schule verliebt. Es wird nicht von Neuem darüber fantasiert, wie sich dieser Schulschwarm als unbesiegbares und unendlich moralisches Wesen entpuppt. Statt dessen erfindet Jennifer Wolf die Geschichte eines Albtraums, der jedem passieren könnte.

Von Freunden und Feinden und der Schwierigkeit, sie auseinanderzuhalten

Sie entwirft eine Protagonistin, die ein ganz normales Mädchen mit dem Wunsch ist, beliebt zu sein. Wie jede Jugendliche weiß sie, dass dies nicht zuletzt von der Wahl ihrer Freunde abhängt. So fällt sie auch noch nach ihrem Unfall auf die falschen Annäherungsversuche ihrer hippen Mitschülerinnen herein und so zeigt die parallel erzählte Vergangenheit, wie sie auf Trip hereinfallen und gleichzeitig ihren besten Freund verstoßen konnte. Nach und nach zeigt sie ihren Lesern die dunkle Seite des Sunnyboys, der seine Freundin immer für sich allein haben wollte und der mehr als einmal seiner Wut Ausdruck verliehen hat, indem er auf sie eingeprügele hat. Jenny Shaw Wolf spricht über das, was jeder weiß und keiner sehen will.

Ein Buch, das die Gedanken kreisen lässt

So gelingt es der Autorin in "Wo die Liebe tötet" einen etwas anderen amerikanischen Jugendthriller zu schreiben, einen der ganz ohne Magie auskommt und gerade darum so spannend ist. Ob jugendlich oder nicht, jeder Leser oder zumindest jede Leserin beginnt früher oder später im Roman sich zu fragen "was wäre wenn...?" Was wäre, wenn so etwas in meinem Bekanntenkreis vorkommen würde, was wäre, wenn mir so etwas passieren würde, was wäre, wenn ich Polizist wäre und einen solchen Fall aufzuklären hätte, was wäre, wenn... Wenn das Lesen aufhört und die Gedanken nicht, dann wissen wir als Leser, dass wir es mit einem guten Buch zu tun haben. In diesem Sinne ist Jennifer Shaw Wolfs "Wo die Liebe tötet" ein sehr gutes Jugendbuch.

Shaw Wolf, Jennifer: Wo die Liebe tötet. Frankh-Kosmos-Verlag 2013. ISBN: 9783440135495. 12,99€.

 

Posted in , , . Bookmark the permalink. RSS feed for this post.

Leave a Reply

Search

Swedish Greys - a WordPress theme from Nordic Themepark. Converted by LiteThemes.com.