Vom Druck des Ruhms oder Robert Galbraith ist J.K. Rowling

Ich war ja etwas baff, als ich heute auf Facebook über die Nachricht stolperte, dass J.K. Rowling schon seit einiger Zeit einen neuen Roman auf dem Markt hat und dass niemand davon wusste. Nur eine Amateur-Rezensentin auf Amazon habe bisher geahnt, dass der Roman "The Cuckoo's Calling" wohl bald einem bekannten Autoren zugeordnet werden könne, so meldete die Süddeutsche Zeitung heute. Über das Rätsel der Pseudonyme habe ich ja schon länger nachgedacht und meine Gedanken zu diesem Thema hier mit euch geteilt. Doch die neuesten Nachrichten über die "Mutter" von Harry Potter haben mich erneut zum Grübeln gebracht.




Ein Leben nach Harry Potter

Geben wir es zu - wir waren schrecklich zu J.K. Rowling. Wir haben sie so sehr geliebt und verehrt, als sie noch an der Romanserie um den jungen Zauberschüler schrieb. Und danach haben wir beinahe hämisch darauf gewartet, was sie nun mit ihrem Leben als berühmte Autorin anfangen möchte. Diejenigen unter uns, die zu einem leicht romantisch-verklärten Blick neigen warteten auf ein neues Meisterwerk, die anderen (wohl zahlenmäßig die Meisten) bereiteten sich darauf vor, sie floppen zu sehen. Naja, finanziell kann man "Ein plötzlicher Todesfall" wohl kaum als Flopp bezeichnen, der Name Rowling garantiert eben immer noch gute Verkäufe, aber die Kritiker haben sich nicht gerade überschlagen vor Lob. Ich gebe zu, dass ich selbst den Roman nur angelesen habe - im Vergleich zu Harry Potter konnte er mich aber einfach nicht fesseln.

Einmal nicht mit sich selbst verglichen werden

Und so ist ihr größter Erfolg wohl auch zu ihrem größten Problem geworden. Beim Lesen kommt man nicht umher, ständig Harry Potter als Vergleichspunkt im Kopf zu haben. "Ein plötzlicher Todesfall" wirkt dann (im Vergleich) einfallslos und spröde, obwohl es vielleicht (ohne Vergleich) kein schlechter Roman ist. Ich kann irgendwie verstehen, dass J.K. Rowling sich hinter den breiten Schultern von Robert Galbraith, der laut Autorenbiografie übrigens ein ehemaliger Soldat sein sollte, der nun in einer Sicherheitsfirma tätig ist (soviel Sicherheit in einer derart kurzen Personenbeschreibung...), verstecken möchte. Genauso gut kann ich verstehen, dass jetzt, nachdem die Kritiken zu "The Cuckoo's Calling" so gut gewesen sind, sowohl Autorin als auch Verlag aufatmeten, entspannt den Pseudonym-Ballon platzen ließen und sich nun über die 150.000%-ige Verkaufssteigerung (laut Süddeutsche Zeitung s.o.) freuen, die darauf folgte. Nur der Druck wird sich jetzt wohl erneut auf den Schultern der Autorin aufbauen, denn noch mehr Krimis von Robert Galbraith alias J.K. Rowling sind geplant und das bedeutet, wieder einmal einen zweiten Anlauf nach einem erfolgreichen Debüt machen zu müssen. Vielleicht versucht man es da dann doch lieber erstmal unter einem neuen Pseudonym, andere Autoren machen es schließlich vor, so wie Kurt Tucholsky z.B. der unter fünf Pseudonymen schrieb und nur eins davon war laut eigener Aussage Kurt Tucholsky.

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