Krimi-Rezension: Eisiger Dienstag von Nicci French ist eine eiskalte Enttäuschung

Ich hatte schon viel vom Autorenduo gehört, dass sich hinter dem Pseudonym Nicci French verbirgt, bevor ich diesen Krimi angefangen habe und meine Erwartungen waren hoch. Sie wurden oft als Meister des psychologischen Kriminalromans benannt und so stellte ich mich auf eine intelligent konstruierte Handlung ohne viele Schilderungen von grausamen Morden ein. Letzteres erfüllte sich durchaus, bloß die Handlung war vorhersehbar und langweilig. Dass auf jeder zehnten Seite (gefühlt) eine "vollkommen ungeschminkte" Frau vorkam, trug auch nicht unbedingt zu subtil verwendeter Psychologisierung der Figuren bei. Dies wird also der Bericht über eine große Enttäuschung.

Auf Montag folgt Dienstag, der uns auf den Mittwoch vorbereiten soll

Ich habe das erste Buch dieser Wochentags-Reihe nicht gelesen. Dennoch haben mir die unzähligen Rückblicke in "eisiger Dienstag" ein recht genaues Bild von der Geschichte vermittelt, die diesem Krimi vorausging. Die unbeugsame Psychologin Kate wird durch die Behandlung eines Patienten in einen Kriminalfall verwickelt. Dieser steht nämlich bald im Verdacht einen Jungen entführt zu haben, der genau dem Ideal eines Sohnes entspricht, das er Kate geschildert hat. Am Ende - spoilersensible Leser seien hier gewarnt - stellt sich heraus, dass er einen Zwillingsbruder hat (Oh Einfallsreichtum des psychologischen Kriminalromans...).

Im eisigen Dienstag leidet die Protagonistin noch immer unter den Erfahrungen vom Montag. Eines Tages taucht sogar die Ehefrau ihres ehemaligen Patienten auf und will sie verklagen. Trotzdem sagt die Psychologin zu als die Polizei sie um Mithilfe bei der Ermittlung zu einem ganz anderen Fall bittet. In der Wohnung einer stark verwirrten Frau wurde nämlich eine stark verweste Leiche gefunden und nur Kate wirkt in der Lage, zu verstehen, was die Frau sagen will. Von nun an folgen zahlreiche Mitleidsvolle Gespräche mit der Verdächtigen und Menschen aus dem Umfeld des Opfers, die die Polizeiarbeit rein gar nicht weiter zu bringen scheinen.

Ohne allzuviel zu verraten, kann ich euch schonmal darauf vorbereiten, dass Patient und Patientin am Ende immernoch nicht geheilt sind. So folgt wohl unweigerlich auf diesen Dienstag ein Mittwoch. Und irgendwie habe ich den Verdacht, dass ich jetzt schon weiß, worauf es im dritten Teil hinauslaufen wird, und das ganz ohne hellseherische Fähigkeiten.

Klassischer Ermittlerkrimi mit unnahbarer Psychologin in der Hauptrolle

Wie es das Genre fordert, wird nebenbei natürlich auch ein Blick in das Privatleben der Protagonistin geworfen. Ebenso wie im beruflichen schlummert hier ein Trauma, das die Ermittlerin kalt und abweisend zurückgelassen hat. Erst vor kurzem wurde sie von ihrem Lebenspartner verlassen und ist nun zutiefst verletzt. Sie stürzt sich also privat wie beruflich in ihre Arbeit und bringt Menschen dazu, von sich zu erzählen, damit sie selber schweigen kann. Für den Leser macht sie das nicht nur unsympathisch, sondern durch das viele Selbstmitleid auch zu einer Nervenbelastung, die leider nichts mit der Spannung eines guten Kriminalromans zu tun hat.

528 Seiten Langeweile

Auch der Schreibstil dieses Krimis hat mich enttäuscht. Wenn man ernsthaft darüber nachdenkt, ob die zahlreichen ungeschminkten Frauen, die in diesem Roman auftauchen für etwas stehen sollen, weil man keine tiefgründigeren Metaphern zur Verfügung hat, dann ist das irgendwie traurig. Auch die psychologischen Themen wie z.B. Guter Zwilling - Böser Zwilling, Kindheitstrauma, Stockholmsyndrom und sogar Schizophrenie (ja, die Trickkiste ist groß) werden so laienpsychologisch eingesetzt, dass sie die Handlung nicht tiefgründiger, sondern banaler wirken lassen. Wenn alle eine Störung haben, wirkt halt am Ende keiner mehr gestört und so entsteht Langeweile, wo Hochspannung hätte stehen können. Schade.



French, Nicci: Eisiger Dienstag. Bertelsmann Verlag 2012. ISBN: 978-3-570-10083-7. 14,99€.


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