Fantasy-Rezension: Ein Lied von Eis und Feuer 03 - die Game of Thrones Saga geht mit mittelalterlicher Mystik in eine neue Runde

Die ersten beiden Staffeln der Game of Thrones Saga habe ich auf DVD gesehen. Voll Neugier wartete ich auf die nächste Serie und war recht enttäuscht, als ich hörte, dass sie zunächst nur auf SkyTV läuft. Aber - wer lesen kann, ist im Vorteil - es gibt ja auch noch die Bücher, in die ich schon immer reinschauen wollte. Als ich aber den dritten Teil begann, erwartete mich eine Überraschung. Oder, genauer gesagt, es erwartete mich keine Überraschung mehr, da der dritte Teil der deutschen Buchserie bereits mit Staffel zwei verfilmt wurde. So musste ich mich belehren lassen, dass jedes englische Buch in zwei deutsche unterteilt wurde. Teil drei auf Deutsch entspricht also der ersten Hälfte von Teil zwei auf Englisch. Warum ich es trotzdem keine Sekunde bereut habe, das Buch zu lesen, erfahrt ihr hier.

Eine Welt, komplexer als Mittelerde und doch beinahe so vertraut wie die eigene

So richtig habe ich nie verstanden, wer wo wohnt und wohin unterwegs ist, als ich die Serie Game of Thrones geguckt habe. Ja, klar, aus dem Norden kommt das Grauen und im Süden liegt irgendwo der Thron, um den alle kämpfen, aber wo sind eigentlich die Eiseninseln? Durch welche Landschaften wandern die Dothrakie mit ihrer Drachenmutter und wie verhält sich dieser Landstrich zu den anderen Ländern? George R.R. Martin hat neun Schauplätze geschaffen, an denen die Szenen seines Epos spielen. Neun Erzählstränge sind vom Leser zu bewältigen, ebenso wie neun mögliche unterschiedliche Zeitebenen. Im flüchtigeren Medium des Films lässt sich das Raum-Zeit-Gefüge dieses Romans nur schwer nachvollziehen. Erst beim Lesen entfaltet sich die ganze Welt des George R.R. Martin vor dem geistigen Auge.

Im dritten Teil der auf deutsch insgesamt bereits 10 Bände umfassenden Saga spitzt sich der Konflikt um den Thron in Königsmund weiter zu. Der Kindskönig Geoffrey herrscht mit unberechenbarer Grausamkeit, die seine Mutter und sein Onkel Tyrion nur mühsam im Zaum halten können. Sein Gegner Robb Stark hat sich inzwischen zum König des Nordens ernannt und kämpft um eine rechtmäßige Besetzung des Throns und die Freilassung seiner in Königsmund befindlichen Schwestern. Derjenige, dem er auf den Thron verhelfen möchte, ist allerdings gerade in einen Streit mit seinem Bruder vertieft, der ebenfalls gerne König wäre. Zu allem Überfluss sind jenseits des Meeres unter der Obhut einer menschlichen Mutter drei Drachen geschlüpft. Doch dies ist nicht die einzige übermenschliche Macht, die dem Thron näher kommt. Von Norden her nähern sich lebende Tote mit einem Heer, das immer größer zu werden scheint.

Charaktere sind gleichzeitig Figuren und Spieler dieses Spiels

Auf dem Spielplan der von Martin sorgsam angelegten Karte seiner Fantasy-Welt entspinnt sich ein von Intrigen gekennzeichneter Wettstreit. Fast kann man als Leser ahnen, wie der Autor im Schreibprozess kleine selbst geschnitzte Figürchen auf seinem Zimmerboden hin- und hergeschoben haben mag. Die Bewegungen durch die Königslande wirken so ausgeklügelt wie Schachzüge. Doch der Autor ist offensichtlich nicht der Einzige, der gerne spielt. Fast alle seiner Figuren sind Taktiker, die versuchen, vorauszuahnen, was ihre Gegner als Nächstes planen und alle wollen immer einen Schritt voraus sein. Dabei wird auch gern mal jemand aus dem Spiel geschmissen, indem ihm ein vorschnelles Ende bereitet wird. Das Schöne an diesem Spiel ist, dass es durch übernatürliche Kräfte beeinflusst und verkompliziert wird.

Nun bräuchte man kein Buch, um ein weiteres Königsspiel ins Leben zu rufen - schließlich gibt es ja Schach. Doch "Ein Lied von Eis und Feuer" bietet mehr, als nur leere Figuren und das Buch bietet sogar noch mehr als die Serie. Es zeigt eine wahnsinnige Fülle unterschiedlicher Charaktere. Manche kann man scheußlich finden, wie z.B. Geoffrey und seine herrische Mutter. Manche kann man lieben wie z.B. die burschikose kleine Schwester von Robb Stark, die in diesem Teil aus Königsmund flieht. Die allermeisten wecken aber gemischte Gefühle, da sie mal gütig, mal grausam, mal klug und mal albern agieren. Manche von ihnen sind eindeutig besser als andere und doch werden sie alle irgendwann zu Mördern im Krieg um den Thron oder im Kampf um ihr Leben. George R.R. Martin beherrscht die Schilderung der großen Gefühle in all ihren Schattierungen und genau durch diese Eigenschaft wird sein Romanzyklus zu einem packenden Epos, das man nicht mehr aus der Hand legen mag.

Warum man Game of Thrones gucken und lesen sollte

Die Fernsehserie "Game of Thrones" ist, das muss ich zugeben, ein Fest der Sinne. Das geht so weit, dass ich persönlich nicht in jeder Minute offenen Auges auf den Bildschirm gucken kann. Die Schauspieler sind prima gewählt. Besonders gefällt mir die Besetzung des "Gnoms" Tyrion Lennister. Doch trotzdem und das ist wahrscheinlich selbstverständlich, ist es ein ganz anderes Erlebnis, das Buch zu lesen. Die Figuren kommen einem viel näher. Nicht nur verbringt man mehr Zeit mit ihnen, man ist auch ihren inneren Regungen viel näher. An diesem Teil hat mir besonders die Schilderung des Schicksals von Aria gefallen, dem kleinen Mädchen, dass auf ihrer Flucht das Töten lernt. Sie zuckt nicht mit der Wimper, wenn sie ihr kleines Schwert zum Einsatz bringen muss und wird zur skrupellosen Befehlshaberin über einen Auftragsmörder. Gleichzeitig ist sie so verletzlich und schutzbedürftig, wie ein kleines Mädchen, das sich als Junge durchschlägt, da sie verfolgt wird, nun einmal ist. Die Zweifel in ihrem kleinen Spiel um das eigene Leben und das ihrer Freunde, werden zum Spiegel für die Fehlbarkeit der Erwachsenen und Halbwüchsigen um sie herum. Dem Geschehen lesend zu folgen macht großen Spaß. Ihr solltet das auf keinen Fall verpassen.

Du kennst Game of Thrones und die Buchserie Das Lied von Eis und Feuer schon? Was denkst du über die beiden Umsetzungen des Epos um den eisernen Thron?

Martin, George R.R.: Ein Lied von Eis und Feuer 03. Der Thron der sieben Königreiche. Blanvalet Verlag 2011. ISBN: 978-3-442-26822-1. 15€

Ich danke dem Blanvalet Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplars!

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