Indie-Übersetzung 3: Was an Indie-Literatur so besonders ist

Ein Thema, das sowohl mich als Literaturbloggerin und -wissenschaftlerin als auch Jonee Tiedemann als Indie-Übersetzer alles andere als kalt lässt: Heute geht es in unserer Reihe zur Indie-Übersetzung um nichts weniger als die Zukunft des Buchmarkts. Welche Chancen die Indie-Literatur birgt und was das für den traditionellen Literaturbetrieb bedeutet, zeigt ein Blick auf die aktuellesten Entwicklungen ebenso wie der Versuch, die Zukunft voraus zu ahnen.
Was ist für dich das Besondere an deutscher Indie-Literatur?

Indie-Literatur an sich ist der Kern der Sache, unabhängig von der Kultur oder Sprache. In fünf oder zehn Jahren ist die Frage sicher interessant, heute könnte ich dazu nur wenig beitragen. Aber heute ist unabhängige Literatur jeder Art, ob Roman oder Sachbuch, so revolutionär wie das Internet an sich. Die Kontrolle über die Inhalte kommt nicht mehr von oben, sondern die hat der Leser und der entschlossene Verfasser. Vor der Existenz des Indie- oder Selbstverlegens war man der Bittsteller vor den Potentaten des Verlagswesens, fast so mächtig wie die Bänker. Nur druckten diese statt Papiergeld aus dem warmen Nichts eben geistige und literarische und praktische und kreative Werke, und zwar nur, wenn diese ihnen genehm waren. Man kann nicht etwas lesen, was nicht veröffentlicht wurde. Vor dieser Epoche noch, da musste man recht betucht sein, um seine adligen Gedichtbände unter Freunden, Familie und anderen noblen Konkurrenten zu verbreiten. Normale Leute konnten sowieso nicht lesen, die arbeiteten auf dem Feld oder sonst wo, damit der Adel essen und schreiben konnte.

Die Tücken des Verlagswesens

Zurück in die Gegenwart, minus ein paar Jahre. Welche Art von Mensch kann es sich leisten und hält es außerdem aus, dass ein Buch vom Moment des Einreichens bis zur Erscheinung eineinhalb Jahre dauern kann? Und wohin soll man sich ein paar Dutzend Absagen hinstecken, egal ob Ego klein oder Ego groß? Da braucht es einfach eine hartgesottene Persönlichkeit, dicke Haut, viel Puste, Glück und ein Polster oder eine ablenkende Nebenbeschäftigung (oder zwei). Und diese Züge und Umstände tragen nicht notgedrungen zu besseren Büchern bei, oder macht diese kleine, willkürliche Auswahl an Büchern zu den einzig “lesbaren” Büchern. Damals ging es nach dem Motto: Survival of the fittest author.
“Lieber Leser, hier sprechen ihre Verlage, Servus, wie geht´s. Wir haben alles gelesen, was wir so finden konnten, und alles was nicht gut ist, ähmm … zurückgeschickt. Sie brauchen nicht weiter zu suchen, es gibt sonst nichts, was irgendetwas taugt. Wir haben alles unter Kontrolle.”

Buchmarkt im Wandel

Heute scheint es undenkbar, dass eine doch recht kleine Gruppe von Verlagen bestimmt, was man lesen kann und was nicht. Bei Literatur hat die Modernisierung und das Erkennen der neuen Spielregeln viel länger gedauert als beispielsweise bei alternativen Wissenschaften und all der brauchbaren Information, die über Internet schon seit fast zwei Jahrzehnten massiv verfügbar ist. Schließlich war das Format hier nicht notwendigerweise das Papierbuch, welches notgedrungen mit Literatur verbunden wird. Diese alternative Information war nie an die Buchform gebunden, und konnte so ohne Probleme die Abwanderung ins Internet vollziehen. Spezifische Ratgeber verkaufen sich als Ebook seit Jahren schon, und zwar für manchmal recht hohe Preise, zumindest gemessen and US-Preisen. Der Leser zahlt eben gerne für sehr gute und spezifische Information.
Daher sollte jeder Indie-Autor solche käuflichen Ratgeber nicht unterschätzen. Gute Information kostet etwas, zahlt sich aber aus.

Individualisierung ist Demokratisierung der Literatur

Indie-Literatur ist die logische (und rasante) Fortentwicklung und Demokratisierung der intellektuellen Landschaft, des Wissens, der Kultur. Wenn man als Übersetzer daran teilnehmen möchte, muss man sich einfach seinen Kundenkreis erobern und viel dafür tun. Indie-Autoren haben schon angefangen, nach Übersetzern zu suchen, und durch das Internet kann man diesen Autoren als Übersetzer entgegenkommen und persönliche Kontakte machen. Für mich ist der persönliche Kontakt mit meinen Autoren sehr wichtig, schließlich lebt man beim Übersetzen den ganzen Tag lang in der Welt des Autors und seines Buches. Übersetzung ist keine Kunst sondern eher ein Handwerk, und als Handwerker arbeite ich lieber für Personen als für eine Firma.

Indie-Autoren und Indie-Übersetzer gehören zusammen wie Stan Laurel und Oliver Hardy.

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Du hast Fragen zum Thema Indie-Übersetzung oder möchtest dein Buch übersetzen lassen? Du erreichst Jonee Tiedemann direkt unter jonee.tiedemann[at]gmail.com !

Dieser Post ist zuerst auf meinem anderen Blog, dem PetitSalon erschienen. Da ich beide Blogs an dieser Stelle zusammenlege, veröffentliche ich den Artikel erneut. Ich bitte all diejenigen, die ihn bereits an anderer Stelle gelesen haben um Entschuldigung für die Doppelung!

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