Game of Thrones in Hamburg - eine Begegnung

Es ist Montag, der 3.6. 19 Uhr 15. Einer der ersten sonnigen Tage im Jahr. Ich habe gerade meinen Balkon neu bepflanzt und eigentlich würde ich jetzt am liebsten hier sitzenbleiben und weiter die Blumen anstarren, bis es zu dunkel wird, um sie zu sehen. Der Umzug in die neue Wohnung steckt mir in den Knochen und ich habe viel gearbeitet in letzter Zeit. Aber heute ist kein Tag zum Ruhen, heute habe ich noch zu tun. Ich bin zur Game of Thrones Lesung im Abaton eingeladen, eine vielversprechende Angelegenheit und meine erste Lesung, über die ich als Bloggerin berichten werde (während ich das hier so schreibe, fällt mir auf, wie lange ich schon nicht mehr zu einer Lesung gegangen bin...)


Etwas zu spät raffe ich mich also auf, haste zur S-Bahn, wechsle dann doch lieber zur U-Bahn. Die kommt fünf Minuten bevor ich da sein muss am Bahnhof an. Für den Weg zum Abaton brauche ich eigentlich 10 Minuten. Ich eile. In dem Moment, in dem alle Reservierungen verfallen, stehe ich vor der Kinokasse und nenne meinen Namen.

Als ich den Kinosaal betrete, umfangen mich schlagartig Ruhe und Behaglichkeit. Ich statte mich noch schnell mit Rhabarbersaftschorle und M&Ms aus und versinke im roten Samtsessel. Keine Minute später betreten Dennis Scheck, Werner Fuchs und Tom Wlaschiha die Bühne und kündigen folgendes Youtube-Video an:


Die Menge tobt. Gut, ich will nicht übertreiben. Der Andrang hat sich nicht so richtig eingestellt. Wie das bei Lesungen oft so ist, ist der Kinosaal wahrscheinlich nicht mal halb voll. Dafür ist es umso gemütlicher. Man lacht gemeinsam. Auch erfrischend: Die Jungs auf der Bühne sind genauso nerdig, wie man selbst. Der Schauspieler scheint der einzig realistische Mensch zu sein. Die beiden Literaturvertreter da oben hingegen steigern sich zunehmend in ihr Fan-Dasein der SciFi und Fantasy-Literatur hinein. Dass sie sie mit Worten beschreiben, die sonst eher Literaturwissenschaftler benutzen, wirkt ebenso abgehoben wie sympathisch. Hier kämpfen zwei leicht in die Jahre gekommene Jugendliche für ihr größtes Hobby und brechen eine Lanze für den Eskapismus - herrlich!

Und so erzählen sie von einem, der über 12.000 Ritterfiguren gesammelt hat, der mit seiner Liebe zu Rollenspielen auch die Fantasy-Literatur für sich entdeckte, der selbst keine Kinder hat, da seiner Frau ein Kind genug ist, und das ist er selbst. George R.R. Martin wurde von dem Literaturagenten Werner Fuchs entdeckt, als dieser noch SciFi Autor und er selbst gerade erst dem Studium entwachsen und noch voller Enthusiasmus war. Das war der Beginn einer Freundschaft und einer langen Erfolgsgeschichte, die durch die Verfilmungen der Fantasy-Serie Game of Thrones wohl einen absoluten Höhepunkt gefunden hat.

Und so kommen die beiden fast schon in eine ganz eigene Welt abdriftenden Literaturmenschen schließlich doch noch dazu den schon fast wie einen Außenseiter wirkenden Schauspieler Tom Wlaschiha einzubeziehen. Dieser kam zu Game of Thrones wie die Jungfrau zum Kinde. Ein hastig gedrehtes Online-Bewerbungsvideo reichte aus, um ihm die Rolle des Jaqen H'gar zu beschaffen, die er selbst zunächst als relativ wenig versprechend angesehen hatte. Ein Mann, der von sich selbst in der dritten Person spreche und für ein Mädchen drei Morde ausführe, wirke nun einmal auf den ersten Blick wenig Vertrauen erweckend. Heute hofft Tom Wlaschiha dagegen, dass seine Rolle des Jaqen H'gar es am Ende auf den eisernen Thron schaffen könnten. Es wäre ja auch zu schade, nach nur einer Staffel für immer von der Bildfläche zu verschwinden.

 Endlich beginnt der Teil des Abends, auf den ich mich am meisten gefreut habe, Tom Wlaschiha liest eine Passage aus dem vierten Teil der deutschen Übersetzung von Game of Thrones "Ein Sturm von Eis und Feuer". Ich denke kurz darüber nach, welch gute Idee es doch ist, sich von einem professionellen Geschichtensprecher vorlesen zu lassen, dann sinke ich noch tiefer in meinen Sessel und schließe die Augen. Die warme, dunkle Stimmer des Schauspielers entführt mich in die Welt von Arya und Jaqen, eine Welt, die dem Mittelalter gleicht und trotzdem eigenartig fantastisch daher kommt. Eine Welt, in der alle zu Mördern werden können und in der lediglich die Tatsache, wer ermordet wird den Täter zu einem guten oder bösen Menschen werden lässt.

Als ich meine Augen wieder öffne, hat die Zeit, Fragen zu stellen schon längst begonnen. Ich bekomme lediglich noch eine mit, die mir allerdings am wichtigsten zu sein scheint. Ein Jugendlicher möchte wissen, wann denn nun die derzeit im Sky TV laufende Staffel endlich auf DVD erscheint. Nächstes Frühjahr, vermutet der Mann ohne Gesicht, nachdem er kaum merklich seine Hand von oben nach unten über sein Gesicht gestreift und sich von Jaqen H'gar wieder in einen ganz normalen Menschen verwandelt hat.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Blanvalet-Verlag für die Einladung zu dieser schönen Veranstaltung.


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