Indie-Literatur von Florian Popp: Der Roman „Fern wie die Zeit“ bietet ein Krimierlebnis mit Charakter

FwdZ 3.0 768x1024Florian Popp entführt seine Leser an einen Ort voll von verschrobenen Gestalten. Ein Privatdetektiv, der früher einmal Polizist und jetzt ziemlich desillusioniert ist, erhält einen scheinbar harmlosen Personen-Suchauftrag, der ihn in ein Dorf bringt, in dem die Zeit stillsteht. Ein düsteres Geheimnis liegt über den hier lebenden Menschen, die nur zwei Einstellungen kennen – entweder mit ihnen oder gegen sie.
Ein alkoholkranker Detektiv und ein mysteriöses Selbstporträt

Der Held dieses Kriminalromans ist eigentlich gar keiner. Obwohl er in existenzieller Geldnot ist, verbringt er seine Freizeit am liebsten mit dem Trinken hochprozentiger Drinks. Freunde hat er keine mehr, da der ständig blanke Ex-Polizist eine Schwäche dafür hat, sich Geld zu leihen, das er nicht zurückgeben kann. Doch die guten Bekannten, die seine letzten Opfer waren, setzen sich zur Wehr und den Protagonisten mit schlagkräftigen Argumenten unter Druck. Da kann (und will) nur noch einer helfen, sein ehemaliger Kollege Toni. Der raubeinige Gesetzeshüter setzt seine physische Kraft gern und geschickt ein. Doch plötzlich erscheint ein Hoffnungsschimmer in Form eines reichen Schnösels, der sich als Kunsthändler auf der Suche nach einem verschwundenen Künstler ausgibt. Das Selbstporträt, das er dem Detektiv in die Hand drückt, löst ein merkwürdiges Unbehagen aus. Die Augen des Gezeichneten wirken seltsam lebendig und scheinen geradezu aus dem Papier herauszutreten.

Ein Krimi, der fast schon ein Western ist

Unser Held, der eigentlich eher ein Antiheld ist, macht sich also mit der Zeichnung in der Hand auf die Suche und findet erst nichts und dann schließlich ein Dorf, das so unwirtlich und verschroben ist, dass man sich selbst als Leser eigentlich schnell wieder wegsehnt. Doch die Schatten eines tief in der Dorfgeschichte vergrabenen Geheimnisses faszinieren sowohl den Protagonisten als auch den Leser. Dabei passiert eigentlich nicht viel. Jeden Tag ist der Detektiv allein im Dorfcafé, von den Bewohnern des Örtchens immer abweisender behandelt. Auf einem Spaziergang wird auf ihn geschossen, und als er schließlich denjenigen findet, den er sucht, muss der Ich-Erzähler ordentlich Prügel einstecken. Plötzlich ist ihm gar nicht mehr klar, auf welcher Seite er in diesem düsteren Spiel eigentlich stehen möchte. Nicht nur der Ort, der in der Nähe des amerikanischen Bismarck situiert ist, bringt eine Atmosphäre hervor, die fast schon an einen Western erinnert. Auch die Charaktere sind raubeinig und im Grunde ihres Herzens eher gelangweilt als hitzköpfig. Die Ungastlichkeit der Landschaft, deren Klima an einem Tag von spätsommerlichem Sonnenschein zu Schneestürmen übergehen kann, spiegelt sich in den Figuren wieder, die einander nie wirklich nahe kommen. Lediglich ein düsteres Erlebnis aus der Vergangenheit mag den Antihelden dieses Krimis so tief zu berühren, dass er sich mit Whiskey betäuben muss. Würden die Menschen nicht ständig auf sich oder andere schießen wollen, sich mal aufrichtig miteinander unterhalten statt Phrasen zu dreschen oder einmal aufhören die Gefahr mehr zu lieben als die Gerechtigkeit, so befände man sich in einer idyllischen Ruhe und nichts würde passieren.

Ein Krimi mit Charakter

Wer Hochspannung sucht, der suche woanders, denn diese steht nicht im Zentrum dieses atmosphärischen Kriminalromans. „Fern wie die Zeit“ fängt hingegen Charakterzüge von Menschen ein, die ansonsten eher unzugänglich sind. Dass diese sich nicht selten in Oberflächlichkeit oder hohlen Bemerkungen ausdrückt, wird vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas überbetont, trägt aber insgesamt doch zu einem treffenden Porträt bei. Es ist eine etwas ungewöhnliche Western-Krimi-Lektüre, die Florian Popp seinen Lesern da bietet aber eine sehr lohnende. Dieser raubeinige – oder wie der Autor es selbst es nennt „Hard-boiled“ - Kriminalroman bereitet wahres Lesevergnügen.

Popp, Florian: Fern wie die Zeit. ASIN: B00AI71OWS. Preis: 2,99 Euro.


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Dieser Post ist zuerst auf meinem anderen Blog, dem PetitSalon erschienen. Da ich beide Blogs an dieser Stelle zusammenlege, veröffentliche ich den Artikel erneut. Ich bitte all diejenigen, die ihn bereits an anderer Stelle gelesen haben um Entschuldigung für die Doppelung!

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