Indie-Coverdesign

Coverdesign2Vor Kurzem durfte ich euch im PetitSalon den Indie-Übersetzer Jonee Tiedemann vorstellen, der Rede und Antwort zu seiner Arbeit mit der Indie-Literatur stand. Heute möchte ich euch ein anderes Segment des Indie-Literaturmarktes präsentieren. Im Jahre 2013 gründete die junge Designerin Cassandra Krammer die Initiative „Low Budget Book Design“. Inzwischen hat sie ein ganzes Team von Jung- und Hobbyillustratoren zusammengestellt, das sich mit viel Liebe und Sorgfalt der Aufgabe widmet, Büchern von Indie-Autoren ein ansprechendes Kleid zu geben.

Wie bist du auf die Idee gekommen „Low Budget Book Design“ zu gründen?

Seitdem ich angefangen habe, Buchcover und Grafiken zu entwerfen, habe ich mit vielen Autoren Kontakt gehabt. Viele davon sind Indie-Autoren, die sich einen professionellen Grafiker nicht leisten können. Aus der Plattform Bookrix kannte ich einige der Grafiker, die jetzt auch in dem LBBD-Team sind. Nachdem ich ein großes Projekt angefangen habe, hatte ich das Gefühl, es müsse doch irgendwie eine Möglichkeit geben, Künstler zu vereinen, die bereit sind, Indie-Autoren zu unterstützen. Ich habe einfach ein paar Mails geschrieben und binnen ein paar Tagen hatte ich eine kleine Handvoll toller Künstler zusammen.

Welche Voraussetzungen müssen Designer erfüllen, die gerne bei euch mitarbeiten würden?

Auf jeden Fall muss die Hilfsbereitschaft da sein. Wer auf das große Geld aus ist, sucht bei uns vergeblich und sollte sich nicht bewerben. Einige von uns gestalten für Buchcover, weil es ein tolles Gefühl ist, ein Buch mit dem eigenen Design in den Händen zu halten. Wir nehmen gerne auch kleine Künstler auf, die noch nicht so lange bei der Sache sind. Natürlich müssen wir schauen, dass wir ein künstlerisches Potential haben, das wir auch auf Kunden loslassen können. Wir beißen aber nicht und wer sich nicht sicher ist, ob er bei uns mitmachen kann, der sollte es einfach mal versuchen. Gerne bin ich auch bereit, neuen Künstlern in der Photoshop und GIMP Szene zu helfen und Tipps zu geben.

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Was gefällt dir/euch an der deutschen Indie-Literatur?

Ich muss gestehen, dass IndieLiteratur zwei sehr starke Gegensätze in sich birgt. Die extrem guten Autoren, die einfach nur Pech gehabt haben, weil ihr Manuskript nicht in einen Verlag gekommen ist und die Autoren, die sich das mit der Veröffentlichung noch etwas mehr hätten überlegen sollen. Ich persönlich mag die Nähe, die man als Leser zum Autor genießt, da man als Fan eher bedingt gut an Weltklasse-Autoren herankommt. Auch finde ich, dass diese Möglichkeit der Selbstveröffentlichung, gerade junge Menschen motiviert zu schreiben. Ich finde es sehr positiv, wenn sich Teenager für ihre Sprache interessieren und Deutschland ist in Europa Spitzenreiter, was junge Indie-Autoren angeht. Wir erschaffen uns unsere Communitys und bauen somit ein großes Netzwerk auf, in dem sich jeder mit jedem Austauschen kann.

Welche Bedeutung haben Cover für Indie-Autoren?

 Ich glaube, ich lehne mich ein bisschen aus dem Fenster, wenn ich sage: das Cover ist das Wichtigste, aber genau das ist es, was immer deutlicher wird. Je professioneller das Cover ist, desto professioneller wird das Buch eingeschätzt. Viele Autoren, die in der Thematik schon zu sehr drin stecken vergessen, dass der Ottonormalverbraucher kein Literaturexperte ist und oft einfach nach „erstem Eindruck“ kauft. Ich habe selber in mehreren Buchhandlungen gearbeitet und man sagt, dass die ersten 10 Sekunden darüber entscheiden, ob ein Mensch ein Spontankauf macht oder nicht. Dieses Prinzip lässt sich auf Buchversandportalen wie Amazon ganz einfach übertragen. Wenn das Cover und der Klappentext überzeugen, wird das Buch gekauft. Natürlich gilt immer: Ausnahmen bestätigen die Regel.

Welche Bücher können ein „Low Budget Book Design“ bekommen?

Wir verstehen uns als einen karitativen Verband. Das bedeutet, dass wir Autoren helfen wollen, die nicht die Mittel haben, ein teures Design zu bezahlen. Bisher haben wir noch keinen Kunden abgelehnt. Wir betonen aber, dass wir nicht unterbezahlt für Verlage arbeiten, die das Geld für einen Designer hätten. Einige von uns haben schon für Verlage gearbeitet und das zu einem akzeptablen Honorar. An dieser Stelle würde ich auch gerne ein bisschen auf das Thema „Geiz ist geil“ eingehen. Wir haben viele anklagende Mails und Forenbeiträge gelesen, in denen es heißt, wir würden den professionellen Illustratoren die Kundschaft stehlen und das „Dumpingpreis Geschäft“ ankurbeln. Fakt ist, dass die meisten Autoren mit denen wir arbeiten gar nicht das Geld haben, um sich einen voll bezahlten Designer zu leisten. Somit fallen die meisten unserer Kunden gar nicht in das Beuteschema eines Profis.

Was ist die schönste Geschichte, die ihr bei eurer Arbeit mit Indie-Autoren erlebt habt?

Leider kann ich an diese Stelle nur für mich reden, aber ich habe mit ein paar Autoren zusammengearbeitet, aus denen sich eine gute Freundschaft entwickelt hat. Ich glaube dieser Austausch von gemeinsamen Interessen der da stattfindet, zählt absolut zu meinen Highlights.

Vielen Dank, Cassandra, dass du mir für dieses Interview Rede und Antwort gestanden hast! Du möchtest ein professionelles Cover für dein Buch, hast aber nur ein kleines Budget zur Verfügung? Cassandra und ihr Team findest du unter http://lowbudgetbookdesign.wix.com/home

Jeden Donnerstag veröffentliche ich hier einen Artikel zum Thema Selfpublishing-Buchmarkt. Diese Posts sind zuerst auf meinem anderen Blog, dem PetitSalon erschienen. Da ich beide Blogs an dieser Stelle zusammenlege, veröffentliche ich die Artikel erneut. Ich bitte all diejenigen, die sie bereits an anderer Stelle gelesen haben um Entschuldigung für die Doppelung!

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