Belletristik-Rezension: "Das späte Geständnis des Tristan Sadler" von John Boyne lässt einen nicht mehr los

Am 27. Februar 2012 erschien der dritte Roman »Das späte Bekenntnis des Tristan Sadler« von John Boyne auf Deutsch. Es ist die Geschichte eines Mannes, dessen Leben von seinen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg geprägt ist. Eine Geschichte, die einen lange nicht mehr loslässt.

Die Geschichte einer Freundschaft und heimlichen Liebe

Der junge Tristan Sadler ist erst Anfang 20, als der Leser seine Bekanntschaft macht. Doch hat er in seinem Leben viele persönliche Niederlagen erlebt. Von seiner Familie verstoßen, meldete er sich freiwillig. Im Ausbildungslager lernt er seinen besten Freund, Vertrauten und heimlich geliebten Will kennen, der über die Grausamkeiten des Krieges zum Pazifisten wird. Als er die Waffe endgültig niederlegen will, wird er wegen Feigheit verurteilt und vor den Augen Tristans erschossen. Dieses Erlebnis gekennzeichnet ihn immer noch, als er einige Jahre nach Kriegsende die Schwester seines Freundes trifft, um die von ihr an den Bruder geschriebenen Briefe auszuhändigen.

Ein Gespräch, dass zum Zurückblicken zwingt

Das Gespräch der Beiden ist der eine, die Erzählung von Tristans Kriegserlebnissen der zweite Erzählstrang dieses ungewöhnlichen Romans. Nach und nach ahnt der Leser, dass der Protagonist der Schwester seines Freundes nicht alles erzählt. Seine romantischen Gefühle für Will sind nur ein kleiner Teil des Geheimnisses, welches erst am Ende der Geschichte gelüftet wird. Sie hingegen ist froh, endlich über den als Feigling geächteten Bruder reden zu können und legt schonungslos die Inhalte seiner Briefe offen, die häufig auch von der Freundschaft zu Tristan berichteten.

Eine Geschichte von Mut, Angst und Trauer

In diesem sensibel erzählten Roman geht es nicht nur um eine Kriegsgeschichte. Er handelt vielmehr von Feigheit und Mut, Zivilcourage, Freundschaft und Verrat. Dabei nähert sich der Autor diesen Themen vielschichtig und gänzlich unprätentiös. Obwohl Tristan als Ich-Erzähler auch perspektivbestimmend ist, bleibt er keine eindeutige bewertbare Figur. Es ist Aufgabe des Lesers seine Taten abschließend zu beurteilen. Ähnliches gilt für den späten Verweigerer Will, der bereit ist für seine Überzeugung zu sterben, der aber nicht genug Mut besitzt, seine homosexuellen Neigungen zuzugeben.

Boynes Roman hat mich beeindruckt, wie schon lange keiner mehr. Selten gelingt es Autoren auf so sanfte Art Vergangenheit und Aktualität zu vereinen, indem er sich auf die verbindenden großen Themen des Lebens konzentriert. Seine Sprache ist schlicht und dennoch voller Macht und Sympathie für seine Figuren. Es ist schwer, über diesen Roman zu sprechen, ohne zu viel von der überraschenden Wendung am Ende vorweg zu nehmen. So bleibt es mir nur noch, euch zu empfehlen, dieses wundersame Buch selbst zu lesen!

Boyne, John: Das späte Geständnis des Tristan Sadler. Arche Verlag 2012. ISBN: 3716026646. 19,95€.


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Dieser Post ist zuerst auf meinem anderen Blog, dem PetitSalon erschienen. Da ich beide Blogs an dieser Stelle zusammenlege, veröffentliche ich den Artikel erneut. Ich bitte all diejenigen, die ihn bereits an anderer Stelle gelesen haben um Entschuldigung für die Doppelung!

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2 Responses to Belletristik-Rezension: "Das späte Geständnis des Tristan Sadler" von John Boyne lässt einen nicht mehr los

  1. Das Buch ist sehr gut, allerdings sollte man es zweimal lesen: Es wird immer von der Schuld des Protagonisten gesprochen, aber erst gegen Ende aufgelöst, worin diese Schuld überhaupt besteht.

    Und erst dann wird einem die Handlung so richtig klar.

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  2. Ja, das stimmt. Es gibt eine sehr überraschende und bewegende Wendung...

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