Belletristik-Rezension: Per Pettersons „Ist schon in Ordnung“ ist eine melancholische Freundschaftsgeschichte

Pettersson_23640_MR3.inddDurch die wunderbare Rezension zu diesem Titel auf Jarg's Blog bin ich geradezu wieder zurück zu Per Petterson gestoßen worden. Bisher kannte ich nur seinen Roman „Pferde stehlen“. Sein neues Buch ist eine überraschend ähnliche und trotzdem ganz andere Freundschaftsgeschichte. Melancholisch und bedrückend entfaltet sie vor allem durch den jede seiner Handlungen begleitenden Wunsch des Protagonisten alles möge „schon in Ordnung“ kommen, eine verzweifelte Lebensbejahung.
Nichts ist in Ordnung

In Auduns Leben ist nichts, wie es sein sollte. Sein Vater schlägt sowohl seine Mutter als auch die drei Kinder der Familie und lässt sie selbst dann nicht in Ruhe, als die Mutter sich von ihm trennt und wegzieht. Mit gerade einmal 15 Jahren stirbt Auduns Bruder bei einem Autounfall, und als die Schwester einen Freund findet, beschleicht den Protagonisten die dunkle Ahnung, die Familiengeschichte würde sich wiederholen. Der sensible Junge fühlt sich früh gleichzeitig verantwortlich für seine Familie und überfordert mit dieser Aufgabe. Eines Tages wird er aus unerfindlichen Gründen krank, sodass er keine Helligkeit mehr ertragen kann und nur noch mit Sonnenbrille das Haus verlässt. An einem anderen Tag beschließt er, für ein paar Wochen in eine Papphütte im Wald zu ziehen, um seine Mutter den schulfreien Sommer über zu entlasten. Doch auch diesmal endet die Überanstrengung in Krankheit und Audun wird von einem Bauern bewusstlos aufgefunden und gesund gepflegt. Immer wieder scheitert Audun an dem Versuch, sich von den Menschen abzugrenzen und zu distanzieren. So kann er sich in jugendlichem Alter in seiner neuen Schule nicht dagegen wehren, sich mit dem stets fröhlichen Arvid anzufreunden und so gelingt es ihm trotz „Querulanz“ später auch nicht, sich von seinen Arbeitskollegen abzuschotten.

Ein melancholischer Roman, dem es doch nicht an Hoffnung mangelt

So vieles hat mich in diesem Roman an die Freundschaftsgeschichte in „Pferde stehlen“ erinnert – die verdrängte Traurigkeit, der Verlust des Bruders und die erzwungene Einsamkeit sind zum Beispiel sehr starke wiederkehrende Motive in beiden Romanen. Auch ist der Grundton in beiden Geschichten eigentlich ähnlich dunkel oder besser dumpf. Dennoch entwickelt „Ist schon in Ordnung“ auch eine leichte, dem Titel entsprechende Hoffnungsdimension, die dem anderen Roman fehlt. Während in „Pferde stehlen“ ein alter, vereinsamter Mann zurückblickt, der nicht einmal zu seinen Kindern einen guten Kontakt pflegt, ist Audun noch jung und voller Leben. Trotz seiner Versuche, sich von allem fernzuhalten, was andere Menschen in sein Leben bringen könnte, begegnet er immer wieder Wohlwollen und Sympathie. So wird der verzweifelte kleine Junge mit der Sonnenbrille oder der wütende gerade erst erwachsene kleine Bruder, der seine Schwester von ihrem Mann entführt, als er ahnt, dass sie unglücklich ist, unweigerlich zu einem Sympathieträger. Dieser Roman ist voller kleiner und großer Freundschaften, die einem trotz melancholischem Unterton ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Wenn Audun sich ausgehungert was menschliche Wärme angeht, an die Brust der Bauersfrau schmiegt, die ihn gesund gepflegt hat oder wenn er viel später beschließt, zu seinem alten Arbeitskollegen Adamsson zu ziehen, der ein Zimmer frei und nichts gegen Gesellschaft hätte, so wird einem doch wieder ein bisschen warm ums Herz. Und auch, wenn es definitiv noch nicht so ist, wünscht man sich, dass am Ende für Audun alles in Ordnung sein wird.

Petterson, Per: Ist schon in Ordnung. Hanser Verlag 2011. ISBN 978-3-446-23640-0. 19,90€

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Dieser Post ist zuerst auf meinem anderen Blog, dem PetitSalon erschienen. Da ich beide Blogs an dieser Stelle zusammenlege, veröffentliche ich den Artikel erneut. Ich bitte all diejenigen, die ihn bereits an anderer Stelle gelesen haben um Entschuldigung für die Doppelung!

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