Portia de Rossis Autobiografie "Das schwere Los der Leichtigkeit"

Es sind ein Themen, zu denen sich bereits viele Blogger, vor allem Beauty-Blogger, geäußert haben: Magersucht und Bulimie. Die Schauspielerin Portia de Rossi litt an beiden Krankheiten und schildert in ihrer Autobiografie wie sie den Kampf dagegen aufnahm und gewann. Das Buch ist ein erschütterndes Zeugnis des alltäglichen Lebens in Hollywood und ein klares Statement gegen den allgegenwärtigen Schlankheitswahn.



Ein Mädchen liegt nachts im Bett und kann nicht schlafen, da eine Stimme sie piesackt. Sie hält ihr vor, am Abend zu viel gegessen zu haben. Das Mädchen beichtet dem Leser, tatsächlich eine ganze Wochenration Yoghurt verputzt zu haben, sechs Portionen des fettreduzierten Molkereierzeugnisses à 60 Kalorien. 300 Kalorien zu viel für sie und ihre Stimme. Sie hält sich an ihren Beckenknochen fest und beginnt die Füße zu bewegen, als würde sie laufen. Verzweifelt versucht sie, die Kalorien wieder loszuwerden, die sie zu sich genommen hat. Das Mädchen ist Portia de Rossi, die beschriebene Szene der Prolog zu ihrer im Oktober 2011 erschienenen Autobiografie »Das schwere Los der Leichtigkeit«.

Nelle »die eiskalte« Porter

Bekannt wurde die australische Schauspielerin durch ihre Rolle in der Fernsehserie Ally McBeal. An der Seite von Calista Flockhard mimte sie die schöne, unnahbare Nelle Porter. DeRossi beschreibt ihren Seriencharakter als dem ihres eigenen extrem unähnlich. Nelle ist selbstbewusst, schlank und heterosexuell, während Portia in Wahrheit unsicher ist, mit ihrem Gewicht kämpft und sich zu Frauen hingezogen fühlt. Um ihre Karriere nicht zu gefährden, versucht sie auch im Privatleben eine Rolle zu spielen. Ihr mangelndes Selbstbewusstsein kann sie verbergen, ebenso wie ihre Homosexualität. Doch ihre Gewichtsprobleme, das ständige Auf und Ab zwischen Diät und Rückfall, Hunger, Essattacken und Erbrechen, kann sie bekämpfen. So versucht sie sich in das Bild eines perfekten Hollywoodstars hinein zu hungern.

Konsultiert sie anfänglich noch eine Ernährungsexpertin, ist ihr deren Programm bald zu nachsichtig. Statt der vorgeschlagenen 1400 Kalorien für eine langsame Diät, reduziert Portia deRossi ihre tägliche Energiezufuhr auf 300 Kalorien. Von gesunden 58 Kilogramm hungert die Schauspielerin sich auf 37 Kilogramm herunter, ein Geiwcht, das für ihre 168 cm Körpergröße lebensbedrohlich ist. Doch weder Familie noch Freunde können ihre Sucht beenden. Erst als sie am Set zusammenbricht und so in ärztliche Behandlung kommt, schafft sie es, die Krankheit zu erkennen. Doch damit ist nur ein erster Schritt in Richtung Genesung geschafft.

Magersucht als neue Modedroge

Auch wenn deRossi immer wieder die persönlichen Aspekte ihres Weges in die Anorexie und Bulimie betont, ihren Kampf der Persönlichkeitsentwicklung und der Umgang mit ihrer sexuellen Orientierung, so beschreibt sie doch auch intensiv gesellschaftliche Phänomene, die diese Krankheiten regelrecht in Mode gebracht haben. Die Überhöhung von Models und Schauspielerinnen ins Übermenschliche spielt dabei eine große Rolle. Die höher Bewertung von Aussehen über Intelligenz und Persönlichkeit betrifft besonders Frauen. Anorexie wird geradezu glorifiziert. Die Kankheit scheint wie der Schlüssel zur Welt der Reichen und Berühmten. Dabei muss was im Schweiße des Angesichts und im Kampf gegen den eigenen Körper errungen wurde, nach außen hin als natürlich schlanker Körperbau präsentiert werden. Die ernsthaften Folgen für Organe, Muskeln und Knochen sind nur wenigen bekannt. Auch Schauspielerin Portia deRossi musste sie erst von ihrem Arzt als Diagnose des eigenen körperlichen Verfalls lernen: Osteoporose, Leberzirrhose und nahezu Austrocknung des gesamten Körpers. Bei weiterer reduzierter Energiezufuhr würden weitere Organe ihren Dienst einstellen.

Ein erschütterndes Porträt und ein Apell

Portia deRossi spricht nicht nur ungewöhnlich offen über ihre eigene Magersucht, sie ermutigt auch andere dagegen zu kämpfen. Ihr Erzählstil ist meist unprätentiös und sachlich. Sie protokolliert geradezu den Weg ihrer Krankheit. Erst ganz zum Schluss wird sie pathetischer im Tonfall. Sie weißt ausdrücklich darauf hin, dass der Weg aus der Sucht kein leichter und von Rückfällen, auch in die Bulimie, geprägt war. Ohne diese als solche zu kennzeichnen, gibt sie Tipps, die anderen Betroffenen helfen könnten. Es wird sehr deutlich, dass sie nicht nur ein für sie selbst zur Therapie gehörendes Dokument verfasst hat, sondern, dass sie etwas dafür tun möchte, Magersucht und Bulimie zu enttabuisieren. Häufig wird auch bei uns dieser Themenkomplex in die Jugendliteratur abgedrängt. Zu lesen, dass eine erwachsene Frau mit sehr guter Bildung und tadellosem Äußeren dieser Sucht ebenso verfallen kann wie junge Mädchen, macht nicht nur betroffen, es rüttelt auch auf. Insgesamt lässt sich anlässlich der enormen gesellschaftlichen Bedeutung über einige gar zu pathetisch verfasste Worte am Ende dieser Autobiografie hinweg sehen. Aufgrund der Aufrichtigkeit und Emotionalität hinterlässt Portia deRossis Werk einen bleibenden Eindruck und regt zum Nachdenken an.

Portia deRossi: Das schwere Los der Leichtigkeit. Mvg-Verlag 2011. ISBN 978-3868822380, gebundene Ausgabe 19,99 Euro

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Dieser Artikel von mir ist zuerst auf der Autorenplattform Suite101 erschienen. Der Originalartikel ist hier einsehbar.  

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