Heinz "Heinzer" Strunk macht ernst: Rezension zum neuen Roman "Junge rettet Freund aus Teich"

Eigentlich war ich gerade dabei "Das gestohlene Leben des Waisen Jun Do" zu lesen, als ein Freund mir den neuen Roman von Heinz Strunk ans Herz legte. Er landete jedoch nur ganz kurz auf dem unteren Platz meines Nachtschranks. Einmal angefangen konnte ich nämlich gar nicht wieder aufhören zu lesen, dabei passiert in diesem leise erzählten Adoleszenzroman eigentlich gar nicht besonders viel.


Mathias "Matten" Halfpape, die Großeltern und eine alleinerziehende Mutter

Als Heinz Strunk uns vor einigen Jahren in "Fleisch ist mein Gemüse" die Geschichte des jungen Musikers "Heinzer" aus Hamburg erzählt hat, war das nicht nur urkomisch, sondern wirkte auch einfach so wahr. Schon in seinem Debüt waren die deprimierende Enge der Großstadt Hamburg und die Depressionen einer alleinerziehenden Mutter wichtige Themen. In seinem neuesten Roman schreibt Heinz Strunk über den Jungen Mathias Halfpape, der mit "Heinzer" das Schicksal eines Großstadtkindes teilt, das bei seiner depressiven Mutter aufwächst und mit dem Autoren Heinz Strunk den bürgerlichen Namen (und wahrscheinlich das ein oder andere mehr). Ebenso wie sein Protagonist ist Heinz Strunk unter dem Namen Mathias Halfpape in Hamburg aufgewachsen und wie schon in "Fleisch ist mein Gemüse" macht die Kenntnis der Situation einen großen Teil des Charmes aus, den der Roman von der ersten Seite an versprüht.

Der kleine Mathias begegnet dem Leser zunächst als braver Sechsjähriger. Er liebt seine gutherzige Oma und bewundert seine schöne Mutter, die als Musiklehrerin arbeitet. Ein eigenes Zuhause können sie sich von dem Gehalt nicht leisten und so leben sie eben bei den Großeltern. Der altkluge kleine Junge erzählt zwar von seiner Welt, doch in seinen Worten spiegeln sich die der Erwachsenen, die er oft als seine übernommen zu haben scheint. So erfährt der Leser viel über die Gemeinschaft in Harburg, die so dörflich wirkt und gleichzeitig so großstädtisch sein möchte.

Je größer die Kinder, desto größer die Sorgen

Als wir Mathias das nächste Mal begegnen, ist er bereits zehn Jahre alt und dafür recht selbstständig. Er ist ein vernünftiges Kind, das meistens darum bemüht ist, seiner Familie keinen Kummer zu bereiten. Den hat vor allem seine Mutter inzwischen reichlich. Noch immer bei den Eltern lebend, sieht sie ihr Ideal von einem selbstbestimmten Dasein zunehmend dahinschwinden. Ihren Frust lädt sie nicht selten bei ihrem Sohn ab. Doch Mathias darf in den Ferien zum ersten Mal allein zu seiner Tante Emmi aufs Land fahren und dort so etwas wie unbeschwert kindliche Tage verbringen. Hier lernt er einen Bauernsohn kennen, der schnell sein Freund wird und dem es gelingt, "Matten", wie er ihn nennt, aus den Fängen seiner familiären Zwänge zu befreien. Die neue Freiheit bringt jedoch die üblichen Probleme der Adoleszenz mit sich. Mit seinem neuen Freund beginnt Mathias das Rauchen und wird zu Mutproben gedrängt, die sein Gewissen belasten.

Mit vierzehn Jahren treffen wir zum letzten Mal auf Mathias. Er zieht mit seiner Mutter allein in eine Wohnung. Die Großeltern werden immer älter und schwächer und in den Sommerferien zerbricht die Freundschaft zu dem Bauernsohn. Der Protagonist wird in die Unabhängigkeit gestoßen wie ein Vogeljunges aus dem Nest - um einmal wieder die Mataphorik aus "Fleisch ist mein Gemüse" zu bemühen. Mathias ist zu einem sorgenvollen Jugendlichen geworden und dabei sind die schlechten Noten in der Schule sein geringstes Problem. Nicht einmal als er einen Freund aus einem zugefrorenen See rettet, bringt ihm das die verdiente Anerkennung und Aufmerksamkeit der Erwachsenen. Am Ende ist "Matten" ganz auf sich allein gestellt.

Eine traurige Geschichte, die einen nicht loslassen mag

Es ist mir ein Rätsel, wie man es schaffen kann, eine so traurige und melancholische Geschichte so fesselnd und nahezu leichtfüßig zu erzählen wie Heinz Strunk das in "Junge rettet Freund aus Teich" gelingt. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen, mein Blick flog nur so über die Zeilen. Mathias und seine Familie sind einem zwar nicht immer nur sympathisch doch trotzdem muss man sie einfach mögen in ihrer schlichten Gutmütigkeit. Das Geheimnis des Erzählers Heinz Strunk ist wohl das eines jeden guten "Clowns" - um komisch sein zu können, muss man die tiefste Traurigkeit erfahren haben. Beides ist im neuen Heinz Strunk Roman wieder einmal hervorragend kombiniert worden. Ich kann nur sagen: Lest dieses Buch, es ist wunderbar!

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