Blogger-Nähkästchen: Bloggen als Arbeit

In dieser Woche habe ich einen Kommentar von Zoe Beck zum Thema Buchblogger entdeckt, der mich erst nachdenklich gestimmt und dann an einen Kommentar zu meinem Artikel zum Thema Rezensionsexemplare erinnert hat. Astrid hatte darin zum Artikel hinzugefügt, dass Leseexemplare auch Verantwortung bedeuten. Tatsächlich beschäftigt mich das Thema der Verantwortung von Bloggern, gerade von solchen, die das Bloggen (semi-)professionell betreiben schon länger.  


Mit Bloggen Geld verdienen oder in drei Klicks zum eigenen Blog

Es ist fast unglaublich auf wie vielen Portalen inzwischen der Eindruck erweckt wird, dass mit dem Bloggen schnelles Geld zu verdienen sei. Nur wenige Artikel korrigieren diese Sichtweise und betonen, dass es mehr braucht, um einen Blog erfolgreich zu machen, als der Wille, sich etwas dazu zu verdienen. Anders herum betrachtet ist es eine zwar immer häufiger aber insgesamt doch selten ausgesprochene Wahrheit, dass nur Blogs, in denen sehr viel Zeit und Mühe steckt, auch lukrativ sein können. Auch die Versprechungen der Bloghostingplattformen, die alle beinhalten, dass es zum eigenen Blog nur weniger Klicks bedarf, beleuchten nur einen Teil der Wahrheit. Mit wenigen Klicks komme ich zwar zu einem eigenen Blog, wo allerdings noch nichts drauf ist. Die Karriere als Profi-Blogger liegt in weiter Ferne.

Die Umsonst-Kultur

Gut, mag man sich als Blogger früher oder später sagen, dann bekomme ich halt kein Geld für meine Artikel aber ich kann doch immer noch Sachwerte frei abgreifen. Bei uns Buchbloggern kann dieser Hang zur Umsonst-Kultur zu traurigen Geschichten führen. Eine davon erzählt die Autorin Zoe Beck (selbst Bloggerin)  in oben erwähntem Kommentar. Von Bloggern nach Rezensionsexemplaren gefragt, ist die philanthropische Autorin manchmal selbst in die Buchhandlung gegangen, hat dort ein Buch gekauft, um es dann handsigniert zur Bloggerkollegin zu schicken und nie wieder etwas davon zu hören. Ich kann nicht umhin, mich beschämt zu fühlen von so einem Verhalten. Bei aller Liebe zur Digitalisierung sollte man doch nie vergessen, dass auch hinter den anderen Rechnern letztendlich immer Menschen und - um das Ganze noch etwas offizieller wirken zu lassen - Geschäftspartner sitzen.

Ein Leitfaden für Rezensionen-Schreiber

Anlass für die Wortmeldung Zoe Becks war ein Artikel über die "Beipackzettel" für Leseexemplare des Blanvalet-Verlages - ein kurzer Leitfaden für Blogger, unterzeichnet von Verlagsmitarbeiter Sebastian Rothfuss. Ich habe selbst schon einen solchen Brief erhalten und fand die dort aufgelisteten Punkte eher hilfreich oder im schlimmsten Falle selbstverständlich. Ärgerlich ist ein solches Schreiben in meinen Augen nicht, aber es zeigt doch, dass viel zu viele Blogger sich nicht darüber bewusst sind - und damit bin ich wieder bei Zoe Becks und schließlich auch meinem Thema - dass Bloggen Arbeit bedeuten kann. Nicht so sehr, wenn man nur ab und zu über sein Leben schreibt, mehr allerdings, wenn man sachliche Artikel oder eben Rezensionen schreibt.

Nun werden sicher viele von euch sagen, dass sie Bloggen eher als ein Hobby betrachten. Und ich muss sagen, dass es mir genauso geht. Schreiben ist ein Hobby für mich und es macht mir Spaß. Trotzdem muss ich mich manchmal aufraffen, um genügend Artikel für mein selbstgestecktes Ziel, dreimal pro Woche posten zu können, zusammen zu bekommen. Manchmal denke ich, dass ich über ein Thema schon ganz viel weiß, und stelle erst beim Schreiben fest, dass mir genügend Fakten fehlen. Dann  heißt es recherchieren bzw. arbeiten - oder eben, den Blog vernachlässigen.

Arbeit bedeutet auch Wertschätzung von Kollegen

Sein Hobby als Arbeit zu begreifen, bedeutet aber auch, andere als Kollegen anzusehen, sobald man sich auf geschäftlicher Ebene trifft. Denn bei Licht betrachtet schreibt Zoe Beck ihre Bücher zwar bestimmt auch aus Spaß und trotzdem handelt es sich um ihre Arbeit. Dazu gehört im Übrigen auch, sich um Wünsche nach Rezensionsexemplaren zu kümmern. Auch Sebastian Rothfuss zeigt mit seinem Schreiben eigentlich nur, dass er Blogger als Kollegen begreifen möchte, deren Artikel er wertschätzen und für seine Arbeit möglichst effektiv nutzen möchte. Und, um nochmal zu dem Traum vom schnellen Geld zurückzukommen, wer mit dem Bloggen Geld verdienen möchte, muss dafür auch arbeiten.

Memo an Self

Wenn ihr jetzt ein bisschen die Augen verdrehen müsst, weil dieser Post so moralisch geworden ist, so entschuldige ich mich schon einmal dafür. Ich muss mir von Zeit zu Zeit einfach auch selbst vor Augen halten, dass ein Blogger, der etwas erreichen will, eine gesunde Arbeitseinstellung braucht. Angeregt wurde ich dazu übrigens durch einen tollen Post von Jennifer Jäger, die über ihr Leben als Schriftstellerin ähnliches zu berichten weiß. Klingt erst einmal etwas hart - mit Absagen an Café-Anfragen von Freunden und festen Zeiten fürs Schreiben am Blog, an den Büchern und auf Facebook - aber im Grunde meines Herzen bewundere ich diese Selbstdisziplin und möchte mir gerne eine große Scheibe davon abschneiden!


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