Rezension: Katherine Pancols "Die gelben Augen der Krokodile" - ein herrlich französischer Roman

Katherine Pancols Roman "Die gelben Augen der Krokodile" ist witzig, emotional und sehr kitschig. Zwei Schwestern - eine mollig und intelligent, die andere reich und schön - teilen sich die Persona einer Bestsellerautorin. Auf dem Weg zum Erfolg meistern sie unglückliche Trennungen, neue Begegnungen, langweiliges Eheleben und Kindersorgen. Das ist zwar keine hohe Literatur aber eine sehr abwechslungsreiche Lektüre - außerdem ist der Sprachstil herrlich französisch.



Die Franzosen und der Kitsch

Spätestens seit Erscheinen der Romane Anna Gavaldas steht fest, dass kitschige Literatur sehr schön sein kann, wenn sie mit einer gehörigen Portion französischer Lebensart aufwartet. Mit Katherine Pancol, deren Debüt "Die gelben Augen der Krokodile" in Frankreich bereits 2006 für Furore sorgte, erobert nun eine weitere Französin den deutschen Buchmarkt. Sie erzählt die Geschichte einer Familie in Paris. Im Mittelpunkt stehen zwei Schwestern, die eine groß, schlank und mit den blauesten Augen gesegnet, die nur vorstellbar sind, die andere klein und dick mit dünnem, platt anliegendem Haar. Die schöne Iris ist mit dem erfolgreichen Anwalt Phillippe Dupin verheiratet und schwimmt im Geld. Joséphines Ehemann hingegen ist ein arbeitsloser Träumer, der sie mit seiner Frisörin betrügt. Als sie dies erfährt, wirft sie ihn raus. Sie widmet sich nun der Abarbeitung des von ihm hinterlassenen Schuldenberges, während er diesen durch Investition in eine chinesisch-afrikanische Krokodilfarm noch vergrößert.

Ein Buch, zwei Autorinnen

Die Geschichte nimmt an Fahrt auf als der schönen Iris eines Tages die Decke auf den Kopf fällt und sie beschließt eine berühmte Autorin zu werden. Einziges Problem ist, dass sie nicht schreiben kann. So wendet sie sich an ihre unscheinbare aber hochintelligente Schwester. Da Joséphine nicht nur fürsorgliche Mutter zweier Töchter (ebenso ungleich wie sie selbst und Iris...), sondern auch noch Juniorproffessorin für die Geschichte des Mittelalters, insbesondere des 12. Jahrhunderts, und Übersetzerin mit herausragendem literarischen Gespür ist, wendet Iris sich mit der Bitte an sie, ein Buch zu schreiben. Sie selbst will es dann mit all ihren Möglichkeiten vermarkten. Noch immer ist Joséphines finanzielle Situation haarsträubend und so willigt sie ein. War das Buch für sie anfangs nur ein Mittel um Geld zu verdienen, so wird der Prozess des Schreibens für die Protagonistin schnell zur Therapie. Sie verändert sich grundlegend, nimmt ab, wird selbstbewusster und verliebt sich schließlich in einen schönen Unbekannten. Als der Roman fertig ist, ist sie gar nicht mehr so überzeugt davon, ihn an ihre leichtsinnige Schwester abgeben zu können.

Eine leichte, unterhaltsame Lektüre, ein schöner Schmöker

Weder ist die Geschichte von Katherine Pancols Roman neu, noch ist sie besonders originell erzählt. Die Figuren handeln weitgehend vorhersehbar. Dennoch gelingt es der Autorin, eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Dies liegt zunächst an der spürbaren Emotionalität bei der Gestaltung ihrer Figuren. Es gelingt ihr ebenso gut, Mitleid für die nahezu trottelig sanftmütige Joséphine zu erzeugen wie für ihre Schwester, die zwanghaft außergewöhnlich sein möchte, der es aber trotzdem nicht gelingt, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.

Pancol beweist einen treffsicheren Sinn für die Komik des Alltags, der sich in Geschichten über Joséphines Kinder oder über ihren Stiefvater, der sich mit 65 Jahren von seiner herrischen Frau trennt, um mit seiner Geliebten eine neue Familie zu gründen, zeigt. Dabei vergisst sie nicht, auch die traurigen Seiten des Lebens - Trennungen, Armut und Tod - zu schildern. Insgesamt ist ihr ein sehr mitreißender Roman gelungen, der vor allem durch seine Gefühlstiefe besticht. Das Setting in Paris verleiht dem ganzen einen zusätzlichen Charme. Auch die Schilderung der Pariser High-Society trägt dazu bei, dass der Leser das "Savoir vivre" förmlich spürt. "Die gelben Augen der Krokodile" ist eine vielseitige Lektüre, die durch ihre Emotionlität vor allem Frauen anspricht, somit also das, was man gemeinhin als richtig schönen Schmöker bezeichnet.

Katherine Pancol: Die gelben Augen der Krokodile; Bertelsmann 2011; 978-3-570-10086-8; gebundene Ausgabe 22,99 Euro


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Dieser Artikel von mir ist zuerst auf der Autorenplattform Suite101 erschienen. Der Originalartikel ist hier einsehbar. 

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