Hörbuch-Rezension: Michael Hjorths und Hans Rosenfelds „Der Mann, der kein Mörder war“ - endlich wieder ein skandinavischer Kriminalroman


Nachdem ich von meinem Experiment, mal einen Nicht-Krimi aus Skandinavien zu lesen, so enttäuscht wurde, stelle ich euch heute wieder einen ganz klassischen Schweden-Krimi vor. „Der Mann, der keine Mörder war“ enthält viel Sozialkritik und wimmelt von sperrigen Figuren. Kurz: Dieser Krimi hat alles, was ein Fan der Krimi-Erzählkunst aus dem hohen Norden sich nur wünschen kann. Außerdem hat das Hörbuch mit Douglas Welbat auch noch einen hervorragenden Sprecher aufzuweisen.


Der Mann, der kein Mörder war

Der Mörder, der im Grunde seines Herzens keiner ist, ist der Erste, auf den der Fokus dieses Kriminalromans fällt. In dunkler Nacht verscharrt er sein Opfer im Wald nachdem er – wie der Leser erst etwas später erfährt – dem Toten das Herz aus dem Leib geschnitten hat. Ein etwas unübersichtliches Team beginnt nun zu ermitteln. Als Erster bekommt der Kommissar Hermansson den Fall auf den Tisch. Zu diesem Zeitpunkt handelt es sich noch um einen Vermisstenfall und der Ermittler nimmt diesen schlichtweg nicht ernst. Der junge Mann, der vermisst wird, werde sich wohl austoben und bald wieder heimkehren, denkt er bei sich und verschwindet in jeder erdenklichen und nicht-erdenklichen Situation nach Hause, um seiner Frau möglichst bald ihren Kinderwunsch zu erfüllen. So ist er auch nicht persönlich dabei, als die Leiche gefunden wird. Natürlich hat er sich zuvor darum gekümmert, dass „würdige“ Kollegen die Suchtrupps stellen – eine Gruppe von kindlichen Pfadfindern, die in naiver Euphorie der Polizei ihre Hilfe anbietet. Nachdem Hermansson also alles falsch gemacht hat, was man nur falsch machen kann, wird er von dem Fall offiziell abgezogen (was ihn nicht daran hindert, alles wieder gut machen zu wollen, indem er weiter ermittelt). Statt seiner setzt seine Chefin die Reichsmordkommission auf den Fall an. Aus alter Freundschaft eher denn aus Notwendigkeit stellt diese den Psychologen Sebastian ein, der eigentlich auf der Suche nach seinem unehelichen Kind ist. Ja, für meinen Geschmack sind hier eindeutig etwas zu viele Köche ans Werk gesetzt worden. Umso erstaunlicher, dass sie den schmackhaften Brei, den dieser Krimi darstellt, nicht im Geringsten verderben.

Das perfekte Verbrechen?

Bei dem Toten, der von den Pfadfindern im Wald gefunden wird, handelt es sich um einen Jugendlichen, der auf eine Privatschule mit tadellosem Ruf ging. Bis auf ein Vorleben als Mobbingopfer und finanzielle Verhältnisse, die deutlich hinter denen seiner Klassenkameraden zurückstehen, scheint es in seinem Leben wenig zu geben, das Hinweise auf sein Schicksal als Mordopfer geben könnte. So gehen die Ermittler jeder Spur nach, die sich bietet. Sie vermuten erst einen Ritualmord dann ein Zufallsverbrechen und schließlich verdächtigen sie sogar den Schulleiter. In der Zwischenzeit begeht der Mann, der kein Mörder war, in aller Ruhe noch mehr Morde, um alle Spuren der ersten Tat zu verwischen. Mit den Ermittlern tappt auch der Leser ganz bis zum Schluss im Dunkeln. Die Auflösung ist am Ende aber ebenso überraschend wie plausibel.

Düstere Sozialkritik und viele verschrobene Ermittler

Sie können es einfach, die schwedischen Krimiautoren. Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt stehen in der düsteren Stimmung, die ihr Roman entfaltet, in der scharfen Sozialkritik und in der Zeichnung rauer Charaktere ihren Kollegen wie Henning Mankell oder Hakan Nesser in nichts nach. Fast jeder der zahlreichen Ermittler bekommt ein eigenes Schicksal und ein eher schwieriges Sozialleben zugeschrieben. Dieses vermischt sich dann auch mal mit denen der Figuren aus dem Umkreis der Opfer. Allen voran geht in dieser Hinsicht der Psychologe Sebastian, der durch einen persönlichen Verlust stark gezeichnet heute überhaupt keine festen Verbindungen mehr eingehen kann. Das zeigt sich nicht nur bei alten Freunden wie dem Ermittlungsleiter der Reichsmordkommission, sondern vor allem auch bei den zahlreichen Frauen, die er zu seiner persönlichen Befriedigung gebraucht. In dieser Hinsicht macht er auch vor der trauernden Mutter oder der Lehrerin des Opfers nicht halt. Und wie so oft in schwedischen Krimis ist der verschrobenste Ermittler auch der Beste. Am Ende gelingt es gerade Sebastian durch die Fähigkeit, anders zu denken, die richtige Spur zu entdecken.

Solides Krimi-Hörbuch mit tollem Sprecher

„Der Mann, der kein Mörder war“ ist vielleicht nicht der herausragendste aller schwedischen Kriminalromane aber er ist solide und verlässliche Lektüre für alle, die traditionelle skandinavische Krimis lieben. Das ungekürzte Hörbuch wird zudem äußerst angenehm vorgelesen von Douglas Welbat. Die ruhige Männerstimme passt perfekt zu der melancholischen Stimmung des Romans und rundet dieses Hörerlebnis erst vollkommen ab. Vor allem an kalten Wintertagen mit einer Tasse Tee auf dem Sofa ist dieses Hörbuch eine lohnende Ergänzung zur allgemeinen Gemütlichkeit.

Hjorth, Michael; Rosenfeldt, Hans: Der Mann, der kein Mörder war. Audiobuch Verlag 2012, ungekürzte Version exklusiv bei Audible.de erhältlich. 27,95€
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