Blogger-Nähkästchen: Wie bekomme ich Leseexemplare

Buchblogger, gerade wenn sie noch neu in der Blogosphäre sind, stellen sich oft die Frage, ob und wie sie an Leseexemplare kommen können. Die Verlage haben die Chancen der persönlichen Empfehlung auf Blogs längst erkannt und bieten darum auf verschiedenen Kanälen eine Zusammenarbeit mit Bloggern an. Neben den großen Verlagshäusern sind aber auch Indie-Verlage und Indie-Autoren aktiv auf Rezensentensuche. Große Lesecommunities und Bloggerkollegen bieten außerdem regelmäßig Gewinnspiele an. Leseexemplare zu bekommen, ist also ganz einfach und schon für Neueinsteiger machbar.


Einfach mal fragen

Zugleich die leichteste und schwierigste Art an Leseexemplare zu kommen ist, einfach mal nachzufragen. Einfach weil es dich nicht mehr als eine Email an den Verlag oder Autoren kostet, schwierig, weil man meist mehrere solcher Mails schreiben muss und sich das schnell wie Betteln anfühlt. Auch werden Einzelanfragen meist genau geprüft – es könnte sich schließlich auch für Verlage eine fruchtbare Partnerschaft ergeben – und kleinere Blogs mit geringen Leserzahlen haben darum oft weniger Chancen als Blogger mit großer Community. Aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen, dass es zwar möglich aber gar nicht unbedingt nötig ist, solche Anfragen zu stellen, denn schließlich gibt es:

Plattformen, die Leseexemplare verlosen

Dein Blog besteht bereits seit mehr als drei Monaten, du hast einen regelmäßigen Besucherstrom und bloggst mindestens einmal die Woche? Dann kannst du dich bei der Plattform Blogg dein Buch anmelden. Hier können Verlage in regelmäßigen Aktionen Leseexemplare einstellen, für die du dich mit deinem Blog bewerben kannst. Die Verlage suchen ihre Blogger persönlich aus und schicken den „Gewinnern“ das gewünschte Leseexemplar zu. Du hast dann vier Wochen Zeit, um das Buch zu lesen und deine Rezension einzureichen. Das Schöne daran ist, dass deine Rezension dann auch auf der Plattform verlinkt wird. So bereicherst du die Plattform mit deiner Rezensionsvorschau und Blogg dein Buch verbessert seinerseits deinen Besucherstrom.

Ist dein Blog noch jünger als drei Monate oder schreibst du Rezensionen für Buchcommunities und hast gar keinen eigenen Blog? Dann ist die Plattform Vorablesen für dich die richtige Adresse. Hier kannst du jede Woche mehrere Leseproben herunterladen und deinen Leseeindruck dazu verfassen. Unter allen Teilnehmern, die einen solchen Leseeindruck geschrieben haben, werden dann 100 Leseexemplare verlost. Das Schöne daran ist die hohe Gewinnchance, der Nachteil, dass man sich immer für mehrere Bücher bewirbt und nicht immer das persönliche Highlight zugelost bekommt. Außerdem musst du deine Rezension auf der Plattform selbst veröffentlichen und in deinem Blog erscheint dann lediglich eine Kopie oder Variation dieser. Mir gefällt Vorablesen trotzdem besonders gut, da die Titelauswahl ausgesprochen vielfältig ist.

Leserunden und Gewinnspiele

Sowohl die Buchcommunity Lovelybooksals auch Buchgesichter veranstaltet regelmäßig Leserunden und Gewinnspiele. Bist du glücklicher Gewinner, so musst du allerdings auch an den Leserunden teilnehmen. Zusätzlich zur Rezension musst du also zu jedem Leseabschnitt einen Eindruck schreiben und mit deinen Co.-Lesern diskutieren. Das ist zwar aufwändiger, macht aber viel Spaß und eröffnet dir einen Blick auf andere Meinungen zu dem Buch. Deine Rezension kann also um fremde Eindrücke bereichert werden und wird so noch vielschichtiger.

Gewinnspiele, bei denen du zu gar nichts verpflichtet bist, gibt es sowohl auf Buchgesichter.de als auch auf Buchblogs in unregelmäßigen Abständen. Folge also möglichst vielen Buchblogs, wenn du darüber informiert sein möchtest. Du musst dir aber auch darüber im Klaren sein, dass viele Blogger sich freuen, wenn sie als Gegenleistung wenigstens eine Verlinkung oder sogar Werbung für ihren Blog auf deinem erwarten. Ich nehme darum nur dann an Gewinnspielen anderer Blogger teil, wenn ich ihren Blog auch regelmäßig lese und aus vollem Herzen unterstützen möchte und kann. Gewinnspieltourismus, bei dem wahllos nach Preisen gegoogelt wird und man an allen nur auffindbaren Gewinnspielen teilnimmt, ist in meinen Augen keine faire Sache.

Sich zurücklehnen und gefragt werden

Gerade für Neueinsteiger klingt das vielleicht utopisch, aber es passiert tatsächlich. Hauptsächlich Indie-Autoren aber auch Indie-Verlage gehen von sich aus auf Blogger zu und fragen, ob sie sich vorstellen könnten, zu einem bestimmten Buch eine Rezension zu verfassen. Was man dafür tun muss? Setze eine Emailadresse in dein Impressum, verfasse fleißig gute Rezensionen und sei offen für derartige Anfragen. Prüfe die Leseproben zumindest, bevor du jemandem eine Absage erteilst, und versuche dich von Vorurteilen gegenüber Indie-Literatur freizumachen. Du wirst mit interessanten Erfahrungen bereichert werden.

Deine Meinung zählt

Wie du siehst, ist es gar nicht so schwer, an Leseexemplare zu kommen. Du musst lediglich die Augen offen halten und zuverlässig arbeiten. Deine Meinung als Blogger zählt inzwischen schon als Expertenmeinung und du kannst darum selbstbewusst auf Rezensionsanfragen zugehen – ob sie nun von dir ausgehen oder von Autoren und Verlagen. Wie so oft gilt allerdings auch hier: Je länger und regelmäßiger du bloggst und je besser die Qualität deiner Artikel, desto besser wirst du von potentiellen Partnern wahrgenommen werden.

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11 Responses to Blogger-Nähkästchen: Wie bekomme ich Leseexemplare

  1. Sehr hilfreicher Post, gerade für "Neueinsteiger".
    Ich selber traue mich überhaupt nicht nach Leseexemplaren zu fragen, weil ich wirklich das Gefühl bekomme, dass ich bettel.
    Inzwischen habe ich aber wirklich das Glück, dass einige Verlage und Autoren direkt auf mich zukommen...

    Ansonsten finde ich aber die Plattformen, die Leseexemplare verlosen total super! :)

    LG,
    Svenja

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    1. Ändere Deine Sichtweise: Du bettelst nicht, sondern bietest dem Verlag/dem Autor gratis Werbung an, denn genau das ist es. Das Buch kostet dem Verlag ein paar Euro, eine offizielle Werbung einige hundert Euro. Viele Zeitschriften und Literaturplattformen nehmen auch Geld dafür, daß sie z.B. Bücher verlosen. Also von daher bist Du eine sehr günstige Werbeplattform und Deine "Bezahlung" ist dann eben das Buch.

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  2. Interessanter Post. Die Überschrift lässt einen was anderes erahnen als was im Text steht.
    Sehr schön geschrieben. Trotzdem wird es bestimmt Leute geben, die das Thema hier missverstehen und verurteilen werden (Ja, man blogt doch nicht um RE abzugreifen).

    Ich wär froh gewesen, so eine Einführung zu meinen Anfängen gehabt zu haben^^

    grüße Pam

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  3. Eine schöne Zusammenfassung, jedoch vermisse ich ein bisschen, dass so ein RE auch Verantwortung bedeutet. Die Verlage hätten die Rezensionen schon gerne innerhalb eines gewissen Zeitraumes und man muss sich gut überlegen ob man wirklich Zeit dafür hat. Dzu kommt die Kommunikation mit dem Verlag. Natürlich auch der damit verbundene Zeitaufwand. Und ganz abgesehen davon, sollte man wirklich Spaß am bloggen haben und das sollte auch die Grundmotivation sein. Ich finde es gut, dass es die Möglichkeit der RE gibt, aber es ist eben auch mit Arbeit verbunden, dass sollte man nicht vergessen. Was ich noch interessanter an der ganzen Sache finde, wenn man zumindest direkt mit den verlagen zusammenarbeitet: die anderen Möglichkeiten! Dass man Interviews führen kann und Insiderwissen bekommt, wenn sich ein Vertrauensverhältnis aufbaut. Man auch von Verlagen nach der Meinung gefragt wird. Bloggen ist zeitaufwendig, aber es macht Spaß. Ich bereue nicht es angefangen zu haben.

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  4. Random House macht einem mit den Forumlaren sehr leicht und die Mitarbeiter dort sind auch alle sehr freundlich.
    Von Suhrkamp würde ich gerade am Anfang abraten, dort komme ich mir auch immer wie ein Bettler vor.

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  5. Hey Mareike,

    super Text! Gerade für Neueinsteiger für mich sehr praktisch :) Buchgesichter kannte ich noch gar nicht. Habe ich mich gleich mal angemeldet. ;)

    Liebe Grüße
    Cat

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  6. Ich freue mich sehr über eure Kommentare und Ergänzungen. Es stimmt, dass Leseexemplare auch Verantwortung bedeuten. Man sollte sich bewusst sein, dass der Verlag einem nicht irgendein Restexemplar zukommen lässt, sondern ein neuwertiges Buch, das einen Wert hat. Wenn man allerdings das Bloggen ernst nimmt, wird man sowieso versuchen so schnell wie möglich eine Rezension zu verfassen. Damit macht man nicht nur dem Verlag eine Freude, sondern sorgt auch dafür, dass der eigene Blog aktuell bleibt.
    Als Idealistin glaube ich irgendwie auch, dass ein Blog, der nur geführt wird, um LE abzugreifen nicht erfolgreich sein kann. Wird das Rezensionenschreiben zum Mittel zum Zweck und reine Pflichterfüllung, so merkt man das den Texten oft an. Man sollte nie einen Blog schreiben, wenn man sich nicht dafür begeistern und das eigene Herzblut in die Texte fließen lassen kann.
    Liebe Grüße und danke an euch alle!
    Mareike

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  7. Ich finde deinen Post toll, er hat mir sehr geholfen und macht mir Mut, doch mal nach einem Leseexemplar zu fragen.
    Für Neulinge fühlt es sich wirklich an wie betteln, ich fühl mich zu schlecht, zu neu, um überhaupt an die Idee zu denken, einen Verlag danach zu fragen.
    Auf der anderen Seite, es ist Werbung für beide Seiten... ich werde meinen Mut zusammen nehmen, was kann schlimmeres passieren, als eine Absage zu bekommen ;)

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  8. cool danke für diesen super Post, hat bei mir einige Fragen beantwortet

    adorablenew.blogspot.de
    Adora

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  9. Ganz herzlichen Dank für diesen tollen Post. Ich habe selten Blogseiten gelesen, auf denen es auch einmal Hinweise gibt, was mache ich wie und wo finde ich etwas.
    Lieber Gruß
    Marianne

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