Chick-Lit-Rezension: "Frau Bengtsson geht zum Teufel" und langweilt uns dabei zu Tode

„Oh, die Skandinavier können doch mehr als Krimi“, dachte ich, als ich auf der Plattform Vorablesen.de Caroline L. Jensens neuen Roman „Frau Bengtsson geht zum Teufel“ entdeckte. Obwohl ich sonst eher selten zu Chick-Lit greife, konnte mich die in lockerem Tonfall gehaltene Leseprobe neugierig machen. Als Nächstes lese ich dann allerdings wieder skandinavische Krimis.

Frau Bengtsson stirbt ein bisschen

Frau Bengtsson ist eine ganz normale skandinavische Hausfrau, deren Perfektionismus und adrette Erscheinungsform stark an die eine oder ander Serienprotagonistin von „Desperate Housewives“ erinnert. Nachdem sie das Eigenheim zu strahlender Sauberkeit gebracht und ein perfektes Essen für ihren Mann vorbereitet hat, legt sie sich wie so oft in die geräumige Badewanne. Beim Haarewaschen passiert ihr jedoch ein fundamentaler Fehler. Sie taucht ihren Kopf ganz unter und die fälschlich am Boden montierten Whirl-Düsen erfassen ihre Haarpracht und halten sie so lange unter Wasser bis sie stirbt. Doch der Zufall will, dass Gott gerade im Leben unserer Protagonistin stöbert und als sie 38 Sekunden tot ist, beschließt er, die Rewind-Taste zu drücken und das Leben von Frau Bengtsson bis zu dem Zeitpunkt zurückzuspulen, an dem sie ihren Kopf gerade erst eingeschäumt hat. Doch die listige Hausfrau erinnert sich an alles und wird erst sehr religiös und dann vom Teufel verführt. Dieser nimmt die Gestalt der frommen Nachbarin an und überzeugt Frau Bengtsson davon, dass Unabhängigkeit viel besser ist als Glauben. Die Hausfrau ist froh, dass sie nun den neueren Teil der Bibel nicht auch noch lesen muss und beginnt, sich durch die Zehn Gebote zu sündigen.

Eine leider so gar nicht verzweifelte Hausfrau

Die Idee hinter diesem schwedischen Frauenroman klingt zunächst vielversprechend. Auch die Anleihen an die amerikanische Fernsehserie hätten Erfolg versprechen können. Ich hatte aberwitzige Situationen erwartet und eine immer abgründiger werdende Hausfrau, die wahrhaft dunkle Seiten offenbart. Statt dessen bleibt jedoch die Protagonistin ebenso heiter wie bieder bei der Sache. Sie behandelt ihre satanischen Gebote wie eine Einkaufsliste, von der sie nach und nach jeden Punkt abhakt. Dabei scheint sie jedes Mal einen intensiven Preisvergleich anzustellen und sich schließlich für die günstigste Alternative – geradezu die Hausmarke des Sündigers – zu entscheiden. Sie will schließlich niemandem schaden und so führt sie ein „Sündigen-Light“-Programm durch, dass es leider nicht schafft, auf 256 Seiten Spannung zu erzeugen. So wird selbst eines der am schwierigsten zu brechenden Gebote – keinen Ehebruch zu begehen – zu einem hastig durchgeführten Intermezzo, dass schnell bereut wird, auch wenn die Hausfrau sich und dem Teufel das natürlich nicht eingestehen kann.

Nicht komisch, sondern todlangweilig

Auch der Witz, den dieses Werk so gern versprühen möchte, ist ähnlich spröde, wie das Sünder-Programm der Protagonistin. Da wartet Frau Bengtsson im Regen auf ein Zeichen Gottes und will partout das weiße Kaninchen nicht sehen, das selbst dann nicht von ihrer Seite weicht als sie mit einem Stein nach ihm wirft. Als die Protagonistin noch auf der Suche nach einem Ehebruch-Partner ist, geht sie im roten Kleid zu einer Flusskrebs-Party... Ja richtig, dies sind sie schon, die „witzigen“ Situationen im Roman. Das kann man allenfalls als bemüht bezeichnen, wenn man großzügig sein möchte. Im Grunde passt hier aber wohl eher der Ausdruck „todlangweilig“. Wenn man nun überlegt, wie viele schöne Krimis man aus dem Heimatland der Autorin schon gelesen hat und, dass gerade erst im letzten Jahr die Krimikommödie „Der 100-jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ die Bestsellerlisten ganz nach oben kletterte und dort zu Recht ungewöhnlich lange ausharrte, dann zieht es einen automatisch wehmütig zurück. Diese Chick-Lit aus Schweden ist ehrlich gesagt überhaupt nicht gelungen. Wieder ein Grund für die Zukunft, um genussvoll schwedische Kriminalromane zu lesen. 

Jensen, Caroline L.: Frau Bengtsson geht zum Teufel. DroemerKnaur verlag 2013. ISBN: 9783426226391. Preis: 14,99€.

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3 Responses to Chick-Lit-Rezension: "Frau Bengtsson geht zum Teufel" und langweilt uns dabei zu Tode

  1. Die Inhaltsbeschreibung klingt richtig gut. Schade, dass das Buch dann aber doch nicht so überzeugen kann, sonst hätte ich mir den Titel sicherlich mal gemerkt.

    LG
    Jai

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    1. Ja, ich fand die Idee auch richtig gut... Vielleicht war ich nicht zuletzt darum so enttäuscht.
      Liebe Grüße,
      Mareike

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    2. Das kenne ich. Je mehr man sich auf ein Thema freut, gerade wenn es ein Thema ist welches noch nicht 464646454161 mal breitgetreten wurde, ist es manchmal besonders enttäuschend, wenn das Buch dann nicht die Erwartungen erfüllt.

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