Blogger-Nähkästchen: Rezensionen schreiben ist eine Kunst, die man lernen kann

Im Blogger-Nähkästchen-Post vor zwei Wochen habe ich euch allgemein ein paar Tipps zum Schreiben von Artikeln vorgestellt. Heute möchte ich mich einer besonderen Textform zuwenden, den Rezensionen oder Kritiken von Büchern, Filmen oder sonstigen kulturellen Ereignissen. Auch hier bekommst du einen Rahmenplan an die Hand, der schnell erlernt werden kann und das Schreiben von Rezensionen enorm erleichtert.



Eine gute Rezension ist ein guter Artikel 
Zunächst einmal gilt für das Schreiben von Kritiken dasselbe wie für das Schreiben sämtlicher guter Artikel. Sie sollten ein Anfang, einen Höhepunkt und ein Ende haben und sie sollten eine Geschichte erzählen, die sowohl einzeln als auch im Zusammenhang mit anderen Blog-Artikeln gelesen werden kann. Für den Rahmenaufbau gilt also dasselbe, wie für den guten Artikel allgemein. Hier kannst du noch einmal genauer nachlesen, falls du das vorletzte Blogger-Nähkästchen verpasst hast. Bei Kritiken jeglicher Art besteht die Schwierigkeit, dass sowohl Meinung als auch Information gefragt sind. Bei vielen Rezensenten beobachte ich, dass dadurch Verwirrung entsteht, die aufgelöst wird, indem Bausteine für Rezensionen eingehalten werden, die streng zwischen Information und Meinung trennen. Eine solche Kritik ist häufig so aufgebaut:

Titel + Titelinformationen
Inhalt
Meinung
Fazit

Und jetzt kommt wieder eine Selbstbeobachtung, mit der ich niemanden verletzen möchte, der seine Rezensionen auf diese Weise schreibt: Ich lese von solchen Kritiken genau einen Absatz und das ist der, der mit "Fazit" betitelt ist. Und, da ich jetzt schon im Ehrlichkeitsmodus bin, ich lese das Fazit auch nur, wenn ich das Buch eigentlich schon kenne, denn ein Titel allein reizt mich noch nicht. Auf meinem Dashboard oder im RSS-Reader bekomme ich aber nur den Titel und die Titelinformationen (ISBN, Verlag; Preis,...) angezeigt. Für mich macht den Reiz einer Rezension nicht die Trennung von Information und Meinung aus, sondern die Mischung der beiden. Darum schlage ich für das Schreiben von Kritiken folgendes Schema vor:

Überschrift = Titel + Gesamteindruck

Eine einfach zu befolgende Formel, die zwar zu langen Post-Überschriften führt, mich als Leser aber neugierig macht, da ich die wesentlichen Punkte deines Artikels angedeutet bekomme. "Roman-Kritik: Aravind Adigas "weißer Tiger" ist ein Feuerwerk indischer Erzählkunst" wäre so ein Titel. Ich weiß, mit welcher Textsorte ich es zu tun haben werde und ich frage mich sofort, wieso dieser Roman als "Feuerwerk indischer Erzählkunst" bezeichnet wird.

Der erste Absatz ist eine Vorschau

Hier gilt das gleiche wie im Allgemeinen für gute Artikel. Die ersten Zeilen eines Blog-Posts sind das, was im RSS-Reader angezeigt wird. Sie sind das, womit du die Aufmerksamkeit deines Lesers auf deinen Blog ziehen kannst. Vergeude diesen wertvollsten aller Plätze nicht mit Artikelinformationen, die ich überall googlen kann! Achte im ersten Absatz darauf, dass alles, was du über das Buch oder den Film sagen möchtest, bereits angedeutet wird. Ziehe dir diese Punkte heraus und generiere daraus deine Überschriften. Dein Leser wird von selbst merken, wo du den Inhalt zusammenfasst und wo du bewertest.

Spannung steigern

Bei einer Rezension steht ganz klar deine Meinung zu einem Buch oder einem Film im Zentrum des Interesses. Das Spannendste ist deine Hauptthese zu einem Werk. Doch du musst dir auch bewusst sein, dass es so etwas wie eine "neutrale" Inhaltszusammenfassung nicht gibt. Darum kannst du auch gleich von Anfang an sagen, welche Aspekte des Inhalts dir gefallen haben und wieso. Versuche im zweiten Absatz die informative Seite in den Vordergrund zu stellen, ohne zu leugnen, dass du eine Meinung dazu hast. In den folgenden Absätzen steigerst du nach und nach den Anteil deiner Meinung und lässt den informativen Teil geringer werden.

Der Höhepunkt

Ein "Fazit" klingt trocken und langweilig. Es ist ein Ausdruck aus der Wissenschaft, der suggerieren soll, dass jeder x-beliebige andere Betrachter des Films oder Leser des Buches aufgrund der Beschaffenheit des Werkes die gleichen Schlussfolgerungen ziehen wird wie du. Eine Kritik oder Rezension ist aber keine Abhandlung. Sie soll genau das zeigen, was du höchstpersönlich aus dem Buch/dem Film herausliest. Natürlich ziehst du in gewisser Weise ein Fazit aus deinen Beobachtungen, aber bitte nenne es nicht so - der Begriff ist viel zu verstaubt für den Höhepunkt deiner Rezension. Denn das ist der letzte Absatz - der Höhepunkt der Kritik. An dieser Stelle musst du deinem Leser verraten, wie du zu der Meinung gekommen bist, die im Titel schon geschrieben steht. In unserem Beispiel wäre hier also die endgültige Antwort darauf zu finden, warum "Der weiße Tiger" ein Feuerwerk indischer Erzählkunst ist. Diese Hauptthese ist dann auch, was du deinen Lesern zur Diskussion anbietest. Frage sie nach ihrer Meinung dazu und ziehe sie so über die Kommentar-Funktion in ein Gespräch.

Rezensionen schreiben kann so einfach sein

Was zunächst schwierig klingen mag, ist im Grunde nichts anderes als eine Frage der Übung. Dazu gehört im ersten Schritt die Loslösung von alten Mustern und das Vertrauen in die eigene Meinung. Einzig und allein deine Gedanken sind es, die deinen Blog zu etwas Besonderem machen. Probiere einfach mal den neuen Rahmenplan - mit einem aussagekräftigen Titel, einem neugierig machenden ersten Absatz und einer Spannungssteigerung bis zu deiner Hauptthese, die einen Bogen zur Überschrift schlägt - aus und du wirst sehen, dass die Kunst, Meinung und Information zu einer guten Kritik zu vermengen lernbar ist.

...und, welche guten und schlechten Erfahrungen hast du gemacht?

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3 Responses to Blogger-Nähkästchen: Rezensionen schreiben ist eine Kunst, die man lernen kann

  1. Puh...ich mache so ziemlich alles falsch *lach*.

    Aus reiner Faulheit übernehme ich erst einmal den Klappentext und mein Fazit heißt auch Fazit.

    Ich finde es wirklich großartig, wenn Autoren es schaffen, Meinung und Inhalt miteinander zu verknüpfen. Ich versuche auch so zu schreiben, dass man den Klappentext überspringen kann. Aber es klappt nicht immer und dann bin ich froh, den Klappentext als doppelten Boden zu haben. Ich vertraue mir zu wenig selbst.

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  2. Hey Nomadenseele,

    Naja, eigentlich gibt es so etwas wie richtig und falsch ja nicht und als Stammleser lese ich wie du weißt ja deine Rezensionen sehr gerne :) Nur zum Stammleser muss man halt erstmal werden und damit das ordentlich viele werden, kann man halt immer ein bisschen an seinem Artikelaufbau arbeiten.

    Ich habe in den letzten Monaten einiges zum Thema Leserflusswachstum und Blogoptimierung gelesen und konnte darum meine Besucherzahl recht beständig ausbauen. Das ist ein Grund dafür, warum ich einige Tipps weitergeben möchte. Ich habe ja im Grunde nicht nur mein eigenes Leseverhalten beobachtet, sondern auch immer wieder selbst Tipps ausprobiert und die von denen ich den Eindruck habe, dass sie am besten geholfen haben, möchte ich im "Nähkästchen" weitergeben.

    Ich argumentiere hier mit dem persönlichen Leseerlebnis, aber ebenso gut könnte man aus Sicht eines SEO-Experten an das Thema herangehen und sagen, dass die Zwischenüberschriften immer auch als Keywords gerankt werden. Benennt man einen Abschnitt mit "Fazit" (wonach niemand suchen würde) so verschenkt man einen prominenten Keyword-Platz. Benennt man sein Fazit aber mit z.B. "Neuer Fantasy Roman der Extraklasse" so hat man gleich die Keyword-Phrase "neuer Fanatsy Roman" mit drin und macht neugierig darauf, warum man ihn für extraklasse hält.

    Last but not least möchte ich dazu ermutigen, selbstbewusst die eigene Meinung zu vertreten. Du sagst, du vertraust dir zu wenig selbst, aber wieso eigentlich? Ich lese auch manchmal in den Kommentaren auf anderen Blogs, dass Buchblogger dadurch degradiert werden, dass manche Menschen sagen, jeder würde unabhängig davon ob er qualifiziert dazu sei oder nicht, seine Meinung zu Büchern kundtun. Das kann einen zwar einschüchtern, sollte es aber nicht. Welche Qualifikation braucht man, um eine Meinung zu einem Buch zu haben? Meiner Ansicht nach eigentlich nur eine und die ist, das Buch gelesen zu haben. Es ist doch gerade interessant, dann noch andere Meinungen dazu zu lesen und sich auszutauschen.

    Liebe Grüße,
    Mareike

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  3. Vielen Dank für deine Tipps :)
    Das hilft einem gerade als Rezensions-Anfänger echt weiter :)

    Liebe Grüße.

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