Die Preußler-Kinderbücher sollen modernisiert werden - ein Skandal?

Wenn ich heute eine Umfrage starten würde, wer von euch alles die grüne Taschenbuchausgabe von "Der Herr der Ringe" im Regal stehen hat und bei wem die weiße Hardcover-Ausgabe steht, so würde diese Umfrage sicher zugunsten der neu übersetzten grünen Version ausfallen. Wenn ich eine Umfrage starten würde, wer von euch all die Bücher im Original liest, deren Ursprungssprache er versteht, so würden sicher die meisten antworten eher zu einer deutschen Übersetzung zu greifen, wenn er schon einmal die Zeit hat, sich mit einem Buch zu entspannen. Nun soll also "Die kleine Hexe" von Ottfried Preußler von einer altmodischen in eine moderne Sprache neu übersetzt werden - ein Skandal?


Das Lieblingskinderbuch soll so bleiben, wie wir es lieben

Irgendwie kann ich ja dieses Gefühl verstehen, dass das Lieblingsbuch von damals so bleiben soll, wie wir es lieben. Man hat so ein zärtlich-heimeliges Gefühl entwickelt. Außerdem hat es uns selbst ja auch nicht geschadet, die Geschichten so zu lesen, wie sie nun einmal geschrieben wurden. Uns ist vielleicht noch nicht einmal aufgefallen, dass die kleine Hexe ihre Schuhe gewichst hat und die Kinder sich als Chinesenmädchen und Negerlein verkleideten (mehr Infos über die Neuausgaben der Werke Ottfried Preußlers findet ihr hier). Wir waren ja auch irgendwie daran gewöhnt, dass in Geschichten komische Worte vorkommen, denn in unseren Lieblingsmärchen gab es die ja auch. Ich zum Beispiel hatte sowohl eine Hörspielkassette der kleinen Hexe als auch der schönsten Märchen der Gebrüder Grimm. Trotzdem habe ich die Wörter, die mir wahrscheinlich damals schon komisch vorkamen nicht in meinen aktiven Wortschatz übernommen und trotzdem hatten meine Eltern noch die Chance mich zu einem Menschen zu erziehen, dem bewusst ist, dass und warum heute bestimmte Wörter nicht mehr gesagt werden.

Lieblingskinderbuch revisited - ein Experiment

Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, dass nur sehr wenige der Erwachsenen, die sich dazu aufgerufen fühlen, den Thienemann-Verlag mit Shitmails zu überschütten, mal den Versuch gewagt haben, heute ihre Lieblingskinderbücher von damals noch einmal zu lesen. Es sei ihnen auch nicht unbedingt empfohlen, denn es ist durchaus ein schmerzhaftes Experiment. Das erste Buch, das ich als Erwachsene wiedergelesen habe, war "Die dumme Augustine". Mein absolutes Lieblingsbuch aus Kindertagen, das ich damals sogar auswendig konnte. Nunja, ich muss heute zugeben, dass es sich dabei um ein überkorrektes und dermaßen pädagogisches Werk handelt, das ich meinen Kindern später wohl eher nicht zumuten würde. Aber das war halt damals so, in den Achtzigern, da war man eben extrem pädagogisch. An eine glorreiche Zukunft dieses Kinderbuches glaube ich allerdings jetzt nicht mehr, zumindest nicht in dieser Sprache. Ich glaube ehrlich gesagt, dass auch die Kollegen des Thienemann-Verlags sich diesem Experiment unterzogen haben und ich kann mir gut vorstellen, wie durch einen (gar nicht mal so dummen) Kopf der Gedanke zuckte: "Oh das ist vielleicht gar nicht mal so gut, wenn hier steht, dass die kleine Hexe den Kindern droht, sie mit dem Besen ordentlich durchzuwichsen". Mal ehrlich, wer kann denn heute als Kind so eine Hexe mögen?

Ein Skandal? 



Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Ängste mit der Entwicklung von Büchern verbunden sind. Dabei ist das Erzählen von Geschichten ja eigentlich ursprünglich eine mündliche Tradition. Früher hat doch sicher auch keine Mutter zu ihrem Kind gesagt "Ich erzähl dir die Geschichte jetzt lieber nich', denn du erzählst die später ja doch nur in deinen eigenen Worten wieder und dann ist das nich' mehr meine Geschichte...". Ja, vielleicht waren die Menschen sogar ein bisschen besorgt, als plötzlich die Gebrüder Grimm vor ihrer Tür standen und ihre Geschichten auf Papier bannen wollten - auf ewig an die gleichen Worte gefesselt. Heute haben wir dagegen Angst vor der Veränderung. Macht das Ebook uns unsere gedruckten Lieblinge kaputt? Pfuscht der Thienemann-Verlag an unserer Lieblingsfigur herum? Diese Fragen sind in meinen Augen nicht nur konservativ, sondern gehen auch am eigentlichen Kern der Diskussion vorbei. Entscheidend ist doch, dass die Geschichte weiterlebt. "Der Herr der Ringe" lebt in unseren grünen Neuübersetungen ganz hervorragend weiter. Viele Geschichten finden überhaupt erst dadurch Verbreitung, dass sie übersetzt werden. Auch die wunderbare Geschichte der kleinen Hexe wird nicht durch die vorsichtigen Korrekturen der Lektoren des Thienemann-Verlages sterben. Im Gegenteil wird hier vielleicht sogar etwas für ihre Unsterblichkeit getan.

Jetzt habe ich eigentlich schon viel mehr über diese Geschichte vom Buchmarkt geschrieben, als ich ursprünglich vorhatte. Dabei wollte ich euch eigentlich den Fall nur kurz schildern, um zu fragen, was ihr von der Neugestaltung der "kleinen Hexe" haltet?

Um zu einer ausgewogenen Meinung zu kommen, empfehle ich euch noch die Lektüre dieses Kommentars von Michael Roesler-Graichen, der die Gegenposition vertritt. Auch auf der Facebook-Seite des Verlages hat sich eine interessante Diskussion zu diesem Thema entwickelt. Einen schönen Beitrag zum Thema Modernisierung von Kinderbüchern hat auch Norbert auf seinem Blog Shakespeare and more veröffentlicht.

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10 Responses to Die Preußler-Kinderbücher sollen modernisiert werden - ein Skandal?

  1. Grad der Herr der Ringe ist aber ein schlechtes Beispiel - da hat man vieles sehr stark verändert bei der neuen Übersetzung. Im Original sagt Sam immer "Mr. Frodo" und in der alten Übersetzung stet folgerichtig auch immer "Herr Frodo" - passend zu all den anderen Anreden im Buch. Auch im neuen Hobbit-Film spricht Gandalf den Halbelben Elrond als "Herr Elrond" an. So ist das halt in Mittelerde. Wie man da auf die Idee kam, dass Sam Frodo als "Chef" ansprechen könnte, werd ich nie verstehen.
    Aber okay, genug der subjektiven Haarspalterei ;-)

    Im Prinzip ist es gut, wenn Übersetzungen modernisiert werden, auch bei Büchern kann das wahre Wunder wirken. Manche Formulierungen sind ja doch etwas aus der Mode gekommen...aber man sollte dabei sehr behutsam sein, denn: Du hast vielleicht so eine Wendung wie "die Schuhe wichsen" nicht in deinen aktiven Wortschatz übernommen, dafür aber in deinen passiven Wortschatz.
    Wie soll sich der passive Wortschatz der Kinder erweitern, wenn in allen Kinderbüchern nur noch einfache, moderne Sprache verwendet wird? Wir haben eh schon das Problem, dass viele Kinder kaum lesen und dementsprechend einen recht eingeschränkten passiven Wortschatz haben. Und dann die Kinderbücher noch vereinfachen?
    Ich finde, da werden teils die Kinder unterschätzt. Mehr noch, Kinder haben sogar oft Spaß an "veralteter" Sprache und wenn sie selbst Geschichten erzählen oder schreiben, versuchen sie oft die alte Sprache der Geschichten, die sie schon kennen, zu immitieren. Das regt ihr Sprachgefühl an, schult die Stilistik und und und.

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    1. Ich finde gerade den Herrn der Ringe so ein tolles Beispiel, weil die Neuübersetzung am Anfang auch so umstritten war und heute steht sie trotzdem überall in den Regalen und kaum einer fragt im Buchladen noch nach der alten... ;)
      So oder so, hätte ich Sam auch nicht "Chef" sagen lassen, wenn ich die Übersetzung hätte schreiben sollen, das ist wirklich nicht gelungen und trifft den Sinn auch nicht. Aber ich bin sicher, dass es irgendwann auch wieder eine neue Version geben wird, die einen neuen Weg finden wird, die Geschichte zu erzählen.
      Das mit dem passiven Wortschatz ist ein sehr gutes Argument, das ich noch gar nicht bedacht habe. Ich finde, dass du hiermit absolut Recht hast. Allerdings muss eine Geschichte in meinen Augen vor allem so gestaltet sein, dass sie verstanden wird. Wenn ich heute manche Geschichten wieder lese, stelle ich fest, dass ich sie als Kind gar nicht richtig verstanden habe und das ist dann einfach schade.

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    2. Beim Herrn der Ringe kommt aber dazu, dass der Großteil der heutigen Herr der Ringe Leser sich das Buch erst geholt haben, als Peter Jacksons Verfilmungen anliefen. Da war aber schon die neue Übersetzung im Umlauf und damit kommt es natürlich dazu, dass die gar nicht wissen, dass es eine alte Übersetzung auch gibt. Dass es Unterschiede zwischen der alten und neuen gibt, das wissen nur wir "Freaks", die wir uns mehr damit beschäftigen als Otto Normalleser ;-)

      Natürlich muss eine Geschichte so gestaltet sein, dass sie verstanden wird. Aber das sollte selbstverständlich sein - macht nicht ihre Zugänglichkeit und Verständlichkeit eine gute Geschichte aus?
      Wenn Kinder Geschichten teils nicht verstehen, dann liegt das bereits am passiven Wortschatz. Ich bin mir sicher, du kannst auch heutzutage bereits viele Erwachsene auf der Straße bitten, dir eine Szene aus Goethe vorzulesen. Dann fragst du sie, was das heißt, und viele werden es dir nicht sagen können. Das ist schade: So verbaut man sich den Zugang zur älteren deutschen Literatur, und das ist ein Problem.
      Natürlich sollte man jetzt nicht Anachronismen in den Büchern anhäufen, um den passiven Wortschatz zu erweitern. Aber man sollte im Zweifelsfall abwägen, ob etwa ein "Schuhe wichsen" so unverständlich ist, dass man wirklich gezwungen ist, ein "Schuhe putzen" daraus zu machen. Viele "Neuübersetzer" tilgen ja gleich jeden Anachronismus ohne großartig drüber nachzudenken. Und das ist Schade.
      Ich glaube sehr an das Potential von Kindern, die ein unglaublich großes Gespür für Sprache haben. Man muss für sie nicht unbedingt alles vereinfachen. Mein kleiner Bruder liest z.B. gerade die Narnia-Bücher. Er ist 10 und manchmal stößt er auf Worte, die er einfach nicht kennt (letztens z.B. konnte er rein gar nichts mit "Mottenkugeln" anfangen). Aber das erklärt man ihm halt, er freut sich und liest begeistert weiter.
      Aber das ist dann wieder auch Lesesozialisation und dass es da an allen Ecken und Enden hapert, das ist - frei nach dem alten Briest - ein so weites Feld, das lass ich im Rahmen eines Kommentars wohl lieber ;-)

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    3. Das stimmt, da bin ich vollkommen deiner Meinung - man sollte nicht alles vereinfachen und Kinder sollten auch nicht unterschätzt werden. Allerdings ist die Lesesozialisation tatsächlich ein Problem. Kinder sind mit Geschichten ja auch oft allein, lesen für sich selbst oder hören Hörspiele. Da fehlt dann die Situation, in denen sie ihre Verwunderung über ein Wort teilen können und dadurch vielleicht den Sinn erklärt bekommen. Darum finde ich auch das Missverständnis schlimmer als das Unverständnis. Bei Unverständnis fragt ein Kind vielleicht auch dann nach, wenn die Eltern erst später nach Hause kommen. Wenn es ein Wort wie "Schuhe wichsen" falsch versteht, so gibt es keine Notwendigkeit nachzufragen und wohlmöglich findet das Kind dann die Figuren einfach merkwürdig, eklig oder unsympathisch. Da wird dann der Zeitunterschied eher zur Entfremdung als zur neugierigen Entdeckung und das wäre schade.
      Mit dem Herrn der Ringe hast du natürlich auch Recht - die neue Auflage verdrängt die alte für viele unbemerkt. Der Fall zeigt aber auch, dass dies relativ normal ist bei Büchern. Irgendwann kommt jemand und denkt sich, dass es mal wieder Zeit ist für eine neue Übersetzung. Mal fällt die werktreuer aus, mal weniger. Ich bin sicher, dass eines Tages jemand kommen wird und Sam wieder "Herr Frodo" sagen lässt. Vielleicht hat dann sogar die Filmtrilogie von Peter Jackson dazu beigetragen ;)

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  2. Also ich halte einige der Neuauflagen alter Kinderbücher für eine sehr gute Idee. Man muss nur auch mal an solche Bücher wie Nesthäkchen, Trotzkopf, Pucki und Co denken. Das Frauenbild, welches in solchen Büchern vermittelt wird, kann man Kindern heute auf die Art und Weise nicht mehr vermitteln und meine Mutter hat mich diese Bücher nur lesen lassen, wenn ich mich parallel mit ihr darüber ausgetauscht habe. Ich habe letztens den Trotzkopf - eines meiner absoluten Lieblings-Mädchen-Bücher von früher - noch einmal gelesen und war doch an vielen Stellen sehr überrascht, welche Wörter verwendet werden und wie extrem sich doch die gezeigten Bilder voneinander unterscheiden. In einer Erneuerung kann man hier beispielsweise viel überarbeiten und das Bild ein wenig verbessern. Solange man hier nicht übertreibt, finde ich Überarbeitungen also durchaus gerechtfertigt. Die Grundidee und die Geschichte sollten natürlich so bleiben, wie sie sind, aber gerade solche Bücher wie "Die kleine Hexe" enthalten ja auch ein Stück Kulturgut und sind wunderschön von der Geschichte her. Ich finde es gut, dass durch Erneuerungen alte Geschichten aus der Versenkung hervor geholt und etwas verbessert werden. Nicht jede Mutter oder jeder Vater nimmt sich die Zeit, Bücher zusammen mit den Kindern zu lesen und unbekannte, veraltete Wörter zu erklären (oder kennt sie selbst nicht mehr ^^) oder falsche Bilder aufzuklären. In einer Erneuerung hat man die Möglichkeit so etwas zu modernisieren und an die veränderte Lebenswelt der Kinder - und auch Erwachsenen - anzupassen.

    Wobei... ich schmeiße meine "Kleine Hexe" sicherlich nicht weg :D Ich liebe dieses Buch... ich habe es damals zu Anfang der Schulzeit auch manchmal abgeschrieben zum Schreiben üben usw ;) Einige Seiten sind vom vielen Lesen total zerfleddert (ich glaube, die erste Seite kann man gar nicht mehr lesen :D ) usw. Aber das ist Nostalgie-Wert und weniger inhaltlicher Natur... Für neue Bücher habe ich nichts gegen neue Versionen... wobei ich es schade fände, wenn die Originale komplett verschwinden, aber das muss ja nicht sein... Und: Bei uns stehen beide Herr der Ringe Versionen in den Familienregalen - auch wenn ich immer noch nicht über die ersten ca. 100 Seiten hinaus gekommen bin...

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    1. Hey Julie,
      mit den sogenannten "Mädchenbüchern" sprichst du ein Thema an, das mir auch sofort in den Kopf kam, als ich über die Modernisierung der Preußler-Bücher las. Ich habe dabei and "Der kleine Mann und die kleine Miss" von Erich Kästner gedacht. Ein Kinderbuch, das ich früher geliebt habe. Noch einmal als Erwachsene gelesen, war ich echt ein bisschen schockiert. Die "kleine Miss" ist so eine biedere kleine Hausfrau, dass es einem heute echt nur grausen kann...
      Aus meinem Studium kann ich sagen, dass Originale in unserer Kultur eigentlich genug hoch geschätzt werden, um bewahrt zu werden. Es gibt ja sogar eine eigene Studienrichtung der Editionsphilologie, die sich nur damit beschäftigen, verschiedene Ausgaben zu vergleichen und neue Ausgaben so zu kommentieren, dass man die Veröffentlichungsgeschichte gut nachvollziehen kann. Ich finde das auch gut so und denke, dass niemand seine liebgewonnenen Ausgaben wegschmeißen sollte. Trotzdem sollte man auch so tolerant sein, neue Ausgaben zuzulassen und sie nicht per se abzulehnen.

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  3. Ein interessanter Artikel, der mich tatsächlich zum Nachdenken gebracht hat. Mein erster Gedanke war - ganz konservativ, ich schäme mich es zuzugeben: Bloß nicht! Aber nachdem ich die Argumente so gelesen habe, fiel mir ein, wie enttäuscht ich war, als ich inzwischen erwachsen nach vielen Jahren einen meiner Lieblingsfilme aus Kindertagen "Mio mein Mio" wieder gesehene hatte. Meine Sehgewohnheiten durch die Computertechnik, durch HD, 3D, etc. völlig verwöhnt und verkorkst, kam mir der ganze Film furchtbar trutschig und altbacken vor. Die "Special Effects" wirkten einfach erbärmlich. Und das fand ich so schade, weil die Geschichte so toll ist und ich das als Kind so geliebt habe. Da wäre ein Remake mit moderner Tricktechnik natürlich eine gute Lösung.
    Und wenn man das für Filme üblicherweise so macht - da kommt man sich vielleicht alt vor, wenn "Spiderman" nach gefühlten 3 Jahren (in Wirklichkeit waren es wohl fast 10) noch mal neu gedreht wird - warum nicht auch für Bücher? Andererseits weiß ich auch was ich heute für ein Vergnügen habe, Novellen aus der Zeit der Schwarzen Romantik zu lesen oder Geschichten aus der Sturm-und-Drang-Phase. Da finde ich, hat die altmodische Sprache doch auch ihren Charme. Und zu Märchen gehört diese eigenartig altertümliche Sprache ja dazu. Als Kind hat mich das nie gestört.
    Wobei ich mich aber daran erinnern kann, dass ich zum Beispiel "Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind wegen der eigenartig altmodischen Sprache nie wirklich mochte. Auch bei Theaterstücken bin ich immer sehr für Neufassungen und Neuerungen und ich bin so ziemlich die Letzte, die dann in lautes Wehgeschrei nach mehr Werktreue ausbricht.
    Aber Bücher? Ich denke auch, dass man Kinder da nicht unterschätzen sollte, die kapieren viel mehr, als man denkt. Vielleicht wäre also eine kindgerecht kommentierte Fassung ein guter Kompromiss. Die Begriffe, die heute nicht mehr üblich sind, könnten mit einer Fußnote oder einer Randnotiz erläutert und ein bisschen was zur Geschichte dieses Wortes erzählt werden. Ich glaube, das könnte die Neugier der Kinder und die Begeisterung für die Sprache wecken und ganz nebenbei, ohne es zu merken, lernen sie was dabei.

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  4. Hey Isa,
    ich gebe zu, dass meine erste Reaktion haargenau dieselbe war wie deine. Dann habe ich mir angeguckt, um welche Stellen es geht und festgestellt, dass es wirklich sehr kleine Eingriffe sind und keine komplette Überarbeitung geplant ist und dann dachte ich plötzlich anders darüber.
    Da du grade Filme ansprichst, fällt mir noch ein witziges Beispiel ein. Aus heutiger Sicht ist es wirklich ein Erlebnis, sich die alten Batman Filme mit Haien und Bomben aus Pappmaché anzugucken, in denen Batman Robin ständig nach irgendwelchen Abwehrsprays fragt (Haiabwehrspray, Gasabwehrspray, Bösewichtabwehrspray,...). Es wäre wirklich ein Verlust, wenn es diese Filme nicht mehr gäbe. Aber es ist irgendwie auch schön, dass es neue Filme gibt und Batman dadurch nicht vollkommen der Lächerlichkeit preisgegeben wird.
    Ich gebe an dieser Stelle einfach mal zu, dass ich als Kind die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz nicht verstanden habe. Vielleicht war ich als jüngeres Geschwisterkind auch einfach noch zu klein, aber ich hab die Zusammenhänge irgendwie nicht gecheckt. Ich hab es aber auch damals gar nicht für nötig gehalten, danach zu fragen, statt dessen habe ich die Geschichte als irgendwie magisch und unverständlich hingenommen. Obwohl ich die Bilder witzig fand und (ich glaube es war) Gerd Fröbe in der Verfilmung toll, ist diese Geschichte nie zu einem meiner Lieblinge geworden. Ich bin auch nicht sicher, ob mir Fußnoten als Kind gefallen hätten - ich muss mich ja heute noch dazu zwingen, diese kleinen Texte zu lesen, die einen immer aus dem Konzentrationsfluss der eigentlichen Argumentation bringen. Man müsste es schon sehr geschickt anstellen, um Fußnoten nicht wie Belehrungen aussehen zu lassen und vielleicht die kleine Hexe selbst als erklärende Person darstellen(so wie z.B. in Bartimäus - da passt das sehr gut).
    Auf jeden Fall ein vielschichtiges Thema...

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  5. Gerade gefunden:

    http://www.sueddeutsche.de/medien/denis-scheck-zur-aktuellen-kinderbuch-debatte-mit-schwarzem-gesicht-fuer-den-neger-1.1585084

    Grüße aus Kopenhagen :)

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  6. Oh, eine interessante Stellungnahme! Was wohl die kleine Ishema dazu sagen würde. Ihren Brief an die Zeit, der vor kurzem auf deren Facebook-Seite veröffentlicht wurde fand ich sehr aussagestark.
    Liebe Grüße nach Dänemark :)

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