20er-Jahre Berlin Krimi: "Der nasse Fisch" von Volker Kutscher


Ich hatte mir so viel von diesem Kriminalroman versprochen, den ich als erstes Buch innerhalb der "deutschsprachige Autoren Challenge" lesen wollte. So viele meiner Bekannten hatten mir schon von dem atmosphärischen Roman vorgeschwärmt, der die 20er Jahre der Hauptstadt Berlin so authentisch darstelle. Wie so oft, wenn man so viel erwartet, wurde ich enttäuscht. Der Krimi ist zwar nicht schlecht aber so richtige Hochspannung kommt auch nicht auf.

Gereon Rath ist der von Köln strafversetzte Polizist, der in Volker Kutschers Roman zum Protagonisten wird. Da er auf seinem vorigen Posten in der Mordkommission einen Menschen erschossen hat, dessen Vater als Journalist die Sache nicht auf sich beruhen lassen wollte, muss er in der Hauptstadt nun als Sittenwächter tätig werden. Das gefällt dem ehrgeizigen jungen Mann gar nicht und er beginnt heimlich in dem Fall zu ermitteln, den die Inspektion IA - die Abteilung für Mord - gerade auf den Schreibtischen liegen hat. Im Gegensatz zu seinen Kollegen hat Gereon Rath den Mann, der tot aus der Spree gefischt wurde, nämlich schon einmal gesehen und kennt immerhin seinen Namen. Doch bald bekommt er die Rechnung für seinen Alleingang, verstrickt sich ins Drogenmillieu und erschießt (schon) wieder einen Menschen. Trotzdem darf er zur Abteilung für Todesdelikte aufsteigen, in der sich die unerfreulichen Ereignisse allerdings häufen, als ein junger Kollege erschossen aufgefunden wird.

Kommunisten, Polizistenschweine und russisches Gold

Um die Situation mit unglücklichen Umständen noch etwas anzureichern, hat Volker Kutscher den ersten Fall seiner Gereon-Rath-Reihe auch noch in die Zeit der Maidemonstrationen gesetzt. Die "Roten" kämpfen für ihr Recht auf Demonstrationsfreiheit und werden von Polizisten dafür kurzerhand umgenietet. Das verursacht wohl ein bisschen Aufregung, von der man als Leser allerdings nur wenig spürt. Es gibt nicht einmal ein Ermittlungsverfahren gegen die Schützen und das, obwohl der ansonsten so rührige Herr Rath Zeuge wird, wie eine Frau und ihre Tochter auf ihrem Balkon erschossen werden. Ein Irrläufer heißt es geradezu achselzuckend. Doch der Protagonist ist eben auf der Suche nach dem ganz großen Fall und weniger nach Gerechtigkeit. So horcht er auf der Party seines Vorgesetzten sehr wohl auf, als ihm ein alter Kriegskamerad seines väterlichen Chefs von dem Gold der Gräfin Sorokin erzählt. Unfassbar groß sei das Vermögen der russischen Dame und außerdem befinde es sich auf dem Weg nach Deutschland und müsse darum von völkischen Gesinnungsgenossen wie ihnen der Eigentümerin tunlichst entwendet werden. Hier wird nun der Spürsinn des unpolitischen Gereons wach. Finden soll er das Gold und auch den Kopf der Verbrecherbande doch seinen Weg zeichnen bis dahin viele Tote, einige gefolterte und wenige Verletzte.

Ein Ermittlungserfolg?

Nun, das kann man wohl nicht gerade behaupten. Nicht nur macht der Ermittler immer wieder Fehler, die mit etwas weniger Hochmut hätten vermieden werden können, auch kommt trotz der ganzen Schießereien, Folterszenen und halbseidenen Nachtclubs nicht wirklich Spannung auf. Der nicht gerade sympathisch zu nennende Kommissar entschädigt auch nicht für seine stümperhafte und gar zu schleppende Ermittlung. Das Lokalkolorit und die Stimmung der goldenen Zwanziger kann einen als Leser dafür auch nur phasenweise entschädigen. Schade, denn die Grundidee war so gut.

Kutscher, Volker: Der nasse Fisch. ISBN: 3462040227. Kiepenheuer und Witsch 2008. 8,99Euro.

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2 Responses to 20er-Jahre Berlin Krimi: "Der nasse Fisch" von Volker Kutscher

  1. Oh wie schade, die Gereon-Rath-Krimis zählen zurzeit zu meinen Lieblingsbüchern. Gerade weil die Hauptfigur der totale Antiheld ist. Mal schüttelt man den Kopf über diesen arroganten Trottel, mal mag man ihn wegen seiner Frechheit und dann wieder versteht man nicht so recht, warum er was gemacht hat. Das bringt aber immerhin Dynamik in die Rezipienten-Figuren-Beziehung und trägt zur Spannung bei.
    Ebenso das lebendig geschilderte Millieu des Berlins der ausgehenden 20er Jahre, mit dem allmählich, wie schleichendes Gift, salonfähig werdenden Nationalsozialismus.
    Der Fall gerät dabei zugegebenermaßen beinahe ein wenig in den Hintergrund, ist aber trotzdem spannend geschildert.
    Vielleicht war es auch einfach nicht der richtige Zeitpunkt oder die richtige Stimmung, um das Buch zu mögen. Das gibt es ja manchmal, dass man ein Buch liest und bestimmte Erwartungen hat und dann ist man hinterher enttäuscht und findet das Buch doof. Und dann plötzlich, nach ein paar Jahren, ist man neugierig auf das Buch. Vielleicht hat man in der Zeit vergessen, warum man es nicht mochte. Und dann liest man es noch mal und es gefällt einem. So ging es mir mit Ingeborg Bachmanns "Der gute Gott von Manhattan".

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    1. Ja, du hast recht. Meine Erwartungshaltung war sehr hoch... das ist nie gut. Ich glaube, ich werde Herrn Rath noch eine Chance geben ;)

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