Hörbuch Tipp: Der vierte Fall für Carl Mörck "Verachtung" von Jussi Adler Olsen

Vom ersten Fall an, war ich ein Fan von den Ermittlern des Sonderdezernats Q der Kopenhagener Polizei. Bereits das Ermittlerduo aus Vizepolizeikommissar Mörck und zunächst Reinigungskraft, dann Assistent Assad, welches vom ersten Teil der Krimiserie an im Mittelpunkt stand, hat mich begeistern können. Vom zweiten Fall an kam dann auch noch Rose hinzu, die auch - nun ja, sagen wir - etwas speziell ist. Im vierten Fall sind die Drei wieder einer kuriosen Geschichte auf der Spur, die ihre Wurzeln zwar in der Vergangenheit hat (schließlich behandelt das Dezernat Q nur alte, ungelöste Fälle), sich aber trotzdem als hochaktuell entpuppt.



Ein Heim für "Schwachsinnige", eine rechtsradikale Partei und Nete Hermansson


Als Carl Mörck noch nicht aufgrund eines psychologischen Traumas - ausgelöst durch eine Schießerei im Dienst, bei der einer seiner Partner erschossen, der andere schwer verwundet wurde - zum Leiter des Sonderdezernats Q ernannt worden war, gab es auf einer dänischen Insel ein Heim für Frauen, die gesellschaftlich unerwünscht waren. Einige von ihnen waren körperlich oder geistig behindert, einige hatten Lernschwierigkeiten, andere waren sexuell auffällig geworden. Zusammengefasst wurden sie sowohl von ihren Aufseher/innen als auch von der Gesellschaft gern als "schwachsinnig" bezeichnet. Wer einmal in dieses Heim kam, durfte sich darauf einstellen, wenn überhaupt, dann nur mit durchtrennten Eileitern wieder herauszukommen.


In der Erzählgegenwart macht eine Partei von sich reden, die sich "klare Grenzen" nennt. Kurt Wart, der Sohn ihres Gründers, hat sowohl sein Handwerk als auch seine Weltanschauung vom Vater übernommen. Als Gynäkologe riskiert er seine Zulassung durch illegale und meist ohne Wissen der Patientin vorgenommene Abtreibungen und Sterilisierungen. Dabei entscheidet er nach Sympathie, welche Frauen seine "Spezialbehandlung" bekommen. Alle, die ihm zu arm, zu wenig intelligent oder zu wenig schwedisch erscheinen, sind in seinen Augen auch nicht dazu geeignet, Kinder zu bekommen. Es verwundert kaum, dass Kurt Wart auch einer derjenigen Ärzte war, die sich um die Mädchen der Strafinsel kümmerten.


Irgendwann zwischen diesen beiden Zeitpunkten, findet die denkwürdige und folgenschwere Begegnung statt, die im Prolog von "Verachtung" beschrieben wird. Auf einer Feier einflussreicher Leute, auf die Nete Rosen ihren Mann begleitet, trifft das Ehepaar Kurt Wart. Der angesehene Arzt greift Netes Mann süffisant an - behauptet seine Frau sei ein leichtes Mädchen. An Nete gewandt, fordert er sie auf, ihrem Mann zu erzählen, wo sie sterilisiert worden sei. Nete, die Kurt Wart noch aus einer Zeit kannte, da sie noch Hermansson mit Nachnamen hieß, und die ihm am liebsten niemals begegnet wäre, ist verzweifelt. Ihr Mann rettet sie zunächst aus der Situation, doch im Auto stellt er sie zur Rede. Als sie nicht leugnen kann, dass sie ihm jahrelang nur vorgespielt hat, sie könnten gemeinsam ein Kind bekommen, will ihr Mann sich von ihr trennen. Verzweifelt greift Nete ins Steuer. Doch was als gemeinsamer Selbstmord geplant war, misslingt. Nete verliert bei dem Unfall ihren Mann und wird in ein Leben zurückgeworfen, in dem sie nur selten selbst entscheiden konnte, wie es weitergehen soll. Sie beschließt, sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen.


Unter Kopenhagens blauem Himmel tun sich immer neue Abgründe auf


Jussi Adler Olsen soll einmal gesagt haben, dass er seine Bücher nicht von Lars von Trier verfilmt wissen möchte. Nicht, weil dieser kein guter Regisseur sei, sondern weil die Stimmung in seinen Filmen nicht ganz zu der in Adler Olsens Bücher passe. In Triers Filmen sei alles düster. Bei ihm selbst hingegen, herrsche strahlender Sonnenschein und dann geschähen plötzlich unfassbare Grausamkeiten. Tatsächlich ist diese Selbstbeschreibung vom ersten bis zum bisher letzten Roman Jussi Adler Olsens absolut passend. Auch in "Verachtung" herrscht wieder dieser heitere Grundton vor. Die Situationskomik zwischen Carl, Assad und Rose brodelt mal unterschwellig und kommt mal zum Ausbruch. So wird man als Leser fasst unmerklich in die Abgründe hineingezogen, beginnt, die Zusammenhänge langsam zu begreifen. Mir bereitet diese Erzähltechnik immer ein besonderes Vergnügen, befindet man sich doch viel eher als geahnt in einem fein gewebten Netz der Hochspannung.


"Verachtung" habe ich mir als Hörbuch zu Gemüte geführt - was ich auch euch nur empfehlen kann. Wolfram Koch trifft als Sprecher genau den richtigen, heiteren Plauderton, der Jussi Adler Olsens Romane so charakteristisch macht. Dabei verzichtet er auf übertriebene Stimmennachahmung und bleibt so in einem angenehmen Vorleseduktus. Vor allem zur Weihnachtszeit - ausgestattet mit einer dicken Wolldecke und einer Tasse Tee - lässt sich dieses Hörbuch besonders genießen. Auch wenn dieser Fall einen weniger rasanten Showdown abbekommen hat als seine drei Vorgänger, handelt es sich auch bei "Verachtung" in meinen Augen wieder um einen Krimigenuss der Extraklasse.

Für Leser von: Stig Larsson, Arnaldur Indridason, Val McDermid (abgesehen von der Tony-Hill-Reihe) oder Fred Vargas

Adler Olsen, Jussi: Verachung. Audible.de 2012. 27,95 Euro.

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