Hörbuch-Tipp: "Der Täuscher" von Jeffery Deaver


Die Idee des gläsernen Bürgers ist ein Thema, vor dem sich heute niemand mehr gänzlich verschließen kann. Ob es Kreditkarten, Bonuskarten von Supermärkten oder Bestellungen im Internet sind, überall lauert die Möglichkeit eine unsichtbare Spur zu hinterlassen. Daten über Einkäufe werden dabei genauso gespeichert wie Adressen und Telefonnummern. Hier passiert das Abspeichern relativ unbewusst. Seitdem aber soziale Netzwerke im Internet populär geworden sind, hat dem Anschein nach jeder die Möglichkeit, sich ganz bewusst öffentlich darzustellen. Daten sind bereits Teil unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Handelns und sie haben darüber hinaus das Potential auch juristisch verwertbar zu werden. Ein Einkauf per Kreditkarte kann mittels elektronischer Spur nachweisen zu welchem Zeitpunkt eine Person an einem bestimmten Ort gewesen ist. Die Möglichkeiten der Verwendung von Daten sind zahlreich, dem namenlosen Unbehagen, welches viele in Bezug auf diese verspüren gibt Jeffrey Deaver in seinem Thriller "Der Täuscher" ein ebenso unauffälliges wie abscheuliches Gesicht.



Lincoln Rhyme kämpft für seinen Cousin

Der Fall beginnt mit einem Anruf von der Frau von Lincolns Cousin, der wegen Mordes verhaftet wurde. Sie glaubt an seine Unschuld, genauso wie Lincoln, doch alle Beweise sprechen gegen ihn. Sogar seine Kollegen glauben, dass der kühle Topermittler dieses Mal einem Anfall schwerer familiärer Empathie erlegen ist. Doch Rhyme lässt nicht nach und kommt gemeinsam mit seiner Kollegin Amelia Sachs einem unglaublichen und unheimlichen Verbrechen auf die Spur. Der Täter, dessen Gedanken der Leser wie bei Deaver üblich in Kapiteln erfährt, die dem roten Faden der Ermittlungsarbeiten parallel geschaltet sind, manipuliert fremde Daten. Indem er sich in den Zentralcomputer eines Instituts zur Sammlung und zum Vertrieb sensibler Daten einhackt, gelingt es ihm fremde Identitäten zu stehlen und so unter dem Namen anderer Personen zu morden. Lincoln Rhyme schafft es eine Reihe solcher Verbrechen auszumachen. Zahlreiche Menschen sitzen als mit eindeutigen Beweisen verurteilte Mörder unschuldig im Gefängnis.

Deaver schreibt mit dem unverkennbaren Stil amerikanischer Thriller-Autoren und doch schafft er es immer wieder außergewöhnlich spannende Krimis zu produzieren. Das psychologische Gespür seiner Protagonisten gewährt tiefe Einblicke in die Motivik des Täters, was zu gesteigertem Nervenkitzel beim Leser führt. Die Thematik erscheint ebenfalls zunächst in ihrer drastischen Ausformung typisch amerikanisch zu sein und doch erzeugt diese Geschichte eine Ahnung dessen, was im Rahmen des Möglichen liegt, was vielleicht auch hier möglich wird.

Gelungene Hörbuchfassung

Trotz Kürzung ist die Hörbuchversion dieses Thrillers eine äußerst gelungene und runde Bearbeitung. Die relativ neutrale und nie überengagierte Sprechweise von Dietmar Wunder verleiht dem Roman eine Stimme ohne diesen für sich zu vereinnahmen. Es ist wirklich ein besonderer Genuss sich mit diesem Hörbuch an einem Regentag zurück zu ziehen. Nur Bügeln sollte man nebenbei nicht, das Brandrisiko wäre bei dieser Spannungsdichte eindeutig zu hoch.

Deaver, Jeffery: Der Täuscher; Random House; 2009; 24,95€

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Dieser Artikel von mir ist zuerst auf der Autorenplattform Suite101 erschienen. Der Originalartikel ist hier einsehbar.

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