Indie-Jugendbuch "Zum Teufel mit Barbie"

Sylvia M. Dölger ist eine der Autorinnen, deren Bekanntschaft ich auf Twitter machen durfte. Eines Morgens strahlte mich in meinem Twitter-Postfach das sympathische Lächeln einer jungen Frau an, mit der Frage, ob ich nicht eines ihrer Bücher Probe lesen und auf meinem Blog rezensieren möchte. Wie häufig angesichts der (Marketing)Möglichkeiten der viralen Kommunikation, war ich ebenso erfreut wie skeptisch. Ich schlich mich also zuerst »heimlich« auf die Autorenwebseite (http://www.schwarz-trifft-weiss.de/) und warf einen Blick in die Leseproben, die die Indie-Autorin dort zugänglich macht. Ich war positiv beeindruckt als ihre von der Chichili-Agentur herausgegebenen Texte sich als leichtfüßig und stilsicher geschriebene Jugendbücher entpuppten, die einen als Leser sofort in die Handlung hinein zogen. So antwortete ich also freudig bejahend auf die Anfrage der Autorin.


Exotische Kulisse, liebenswert-naive Charaktere

Nicht zuletzt aufgrund des ungewöhnlichen Settings entschied ich mich dafür, mich mit "Zum Teufel mit Barbie" zu beschäftigen. Die junge Sue ist zur Hälfte Thailänderin, wurde allerdings bereits als Baby von einer deutschen Familie adoptiert. Obwohl ihre Adoptivmutter sich wünscht, dass ihre Tochter ihre Wurzeln ergründet, hat Sue kein Interesse an einer Reise nach Bangkok, wo ihre Erzeugerin wohnt. Erst nach einem traumatischen Erlebnis mit ihrem Internetflirt Jimmy, flieht Sue in das Land ihrer Vorväter. Hier macht sie mehr oder weniger tiefgreifende Bekanntschaft mit dem Buddhismus, den Eigentümlichkeiten des Nachtlebens in Bangkok und dem sympathischen Hippie Yvo. Ungeachtet der kulturellen Unterschiede und fern davon in einen Kulturschock zu verfallen, stürzt Sue sich in jede abenteuerliche Situation, die sich ihr bietet. Die Heimat und damit die gerade erst gemachte schlechte Erfahrung mit Unbekannten, scheint schon bald so vergessen wie entrückt zu sein. So stolziert sie im Minirock ins Rotlichviertel und lässt sich nicht einmal nachhaltig davon beeindrucken, dass ihr Begleiter Ivo verhaftet wird, als er sie vor zudringlichen englische Touristen beschützen möchte. Diese Naivität bringt sie zwar durchaus in gefährliche Situationen wie diese, führt aber auch dazu, dass sie sich schließlich durchringt, einfach einmal bei ihrer leiblichen Mutter an die Tür zu klopfen. Obwohl man die Protagonistin mehr als einmal vor sich selbst beschützen möchte, kommt man als Leser kaum darum herum, sie irgendwie sympatisch zu finden.

Zum Teufel mit Barbie?

Das einzige, was ich an diesem wirklich vielfältigen und ereignisreichen Jugendbuch vermisst habe, ist ein konsequenter Spannungsbogen. Die Selbstverständlichkeit mit der Sue sich immer wieder in Gefahrensituationen begibt, führt manches Mal dazu, dass sich auch beim Leser eine Selbstverständlichkeit des guten Ausgangs einstellt. Das ist schade, da auch die Charaktere dadurch teilweise seltsam entrückt und unberührt erscheinen. Auch wird mir nicht ganz klar, was der (wie ich finde eigentlich sehr aussagekräftige) Titel mit der Geschichte zu tun hat. Die angehende Mechanikerin Sue, die in ihrem zarten Alter bereits allerhand Bier und Cannabis konsumiert, wirkt kaum so als müsse sie Barbie zum Teufel schicken. Die blonde Plastikpuppe spielt in ihrem Leben nämlich ohnehin keine Rolle und mit dem damit im Allgemeinen in Verbindung gebrachten Habitus haben Sue und ihre Freunde ebenfalls herzlich wenig am Hut.

Insgesamt hat Sylvia M. Dölger mit "Zum Teufel mit Barbie" ein sehr lesenswertes Jugendbuch geschrieben, das trotz kleinerer Ungereimtheiten ein beträchtliches Lesevergnügen bereitet. Ich glaube, dass wir von dieser Autorin noch viel zu erwarten haben, und bin sehr gespannt auf ihre nächsten Projekte.

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4 Responses to Indie-Jugendbuch "Zum Teufel mit Barbie"

  1. Was für ein klasse Buchtitel ;)

    Das hab ich manchmal auch gedacht ;)

    Liebe Grüße von
    Fee

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  2. :) Ja, super oder? Ich finde auch, dass der Titel einen sofort verlockt, das Buch zu lesen.

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  3. Huhu, habe dich getaggt :)
    Kannst ja mal hier vorbeischauen:
    http://yvis-buecherecke.blogspot.de/2012/10/ich-wurde-getaggt.html
    Liebe Grüße
    Yvi
    http://yvis-buecherecke.blogspot.de/

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  4. Oh, das klingt ja alles sehr interessant ^_^ Und ich kann nur zustimmen, der Titel trägt auf jeden Fall dazu bei!

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