DVD-Tipp: Lachsfischen im Jemen

Hansjörg Schulthess  / pixelio.de
Es ist eine absurde Idee - so erscheint es beinahe ausnahmslos allen Beteiligten. Ein in England lebender Scheich möchte gerne in seiner Heimat, dem Jemen, eine Möglichkeit zum Lachsfischen schaffen. Ein aussichtsloses Unterfangen, bis eine Regierungssprecherin auf das Projekt aufmerksam wird. Sie sieht darin eine verwertbare positive Nachricht über die Beziehungen des Landes zum Nahen Osten und die hat der Premierminister dringend nötig, unterstützt er doch den Krieg in Afghanistan mit Soldaten. Auf diese Weise werden »von ganz oben« Experten zusammen getrommelt, die sich von nun an auf Biegen und Brechen und manchmal gegen die eigene Überzeugung dafür einsetzen, dass im Jemen Lachse heimisch werden, die dann wiederum geangelt werden können.
Was eine bissige Satire hätte werden können, ist von Hollywood etwas weich gespült worden. Der zwar eigenbrötlerische aber dennoch schüchtern-attraktive Professor, der als Lachsexperte herangezogen wird (Ewan McGregor), verliebt sich (natürlich) früher oder später in die lebenslustige und gar-nicht-schüchtern-attraktive Vermögensverwalterin des Scheichs (Emily Blunt), die eigentlich gerade um ihren in Afghanistan verschollenen Freund trauert. Der Scheich (Amr Waked), der, wie sich herausstellt, zwar gerne Lachs fischt aber bei seinem Projekt eigentlich den Weltfrieden im Auge hat, wird der beste Freund der beiden und das am Anfang so belächelte Projekt zum Mittelpunkt ihres Universums.

Tolle Besetzung und beeindruckende Landschaftsaufnahmen

Ja, das ist kitschig und trotzdem ist »Lachsfischen im Jemen« ein sehr empfehlenswerter Film. Zum einen besticht die Besetzung. Ewan McGregor mimt den nahezu-autistischen Protagonisten, der gerne mit seinen Koifischen schweigt, mit sympathischem Augenzwinkern. Emily Blunt ist - ob im Pyjama oder im Abendkleid - schlicht eine Augenweide. Amr Waked strahlt eine intelligente Ruhe aus, die bis in den Kinosessel hinein wirkt. Doch wirklich herausragend ist für mich Kristin Scott Thomas als Beraterin des Premierministers. Sie hetzt zwischen der Spielkonsole ihrer drei Kinder und dem Telefon hin und her und entwickelt beruflich wie privat eine nahezu diktatorische Strenge. Eiskalt verfolgt sie die Interessen der Regierung an dem verschrobenen Projekt und damit eigentlich den eigenen Karriereplan. Sie gibt ihrem Charakter eine so wunderbar verachtenswerte Komponente, dass sie dem Film schließlich doch noch eine satirische Ebene verleiht.

Zum anderen, und das muss wirklich mal gesagt werden, zeigt dieser Film einfach wunderbare Landschaftsaufnahmen. Von der saftigen Grüne Englands führt er den Zuschauer in die karge Kieswüste des Jemen ohne an deren Charme etwas zu verringern. Die raue Kargheit der Landschaft erscheint so mächtig, das vorhaben hier Wasser und Leben hinzubringen so edel, dass es einen im Kinosessel etwas tiefer sinken lässt. Doch auch hier fehlt zum Glück nicht das, wenn auch kleine, kritische Moment, das zeigt, dass die Einheimischen gar nicht unbedingt passionierte Lachsfischer werden wollen. Der westliche Eingriff in ihre Lebenswelt, und sei er auch von einem der Ihren erdacht, verletzt ihren Stolz sehr.

Fazit

"Lachsfischen im Jemen" ist ein witziger, kitschiger, satirisch-verschrobener Film, der Lust aufs Reisen macht. Wer sich immer schon gefragt hat, wozu Angeln eigentlich gut sein soll, wird hier Antwort finden: es geht um Weltfrieden. Nicht mehr und nicht weniger.

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3 Responses to DVD-Tipp: Lachsfischen im Jemen

  1. Ah, ich bin vorm Kino immer um den Film herum geschlichen. Jetzt bereue ich es, ihn nicht angesehen zu haben. Das muss ich nachholen!

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  2. Dann lohnt es sich ja gleich doppelt, ihn auf DVD zu schauen - es lohnt sich wirklich :)
    Liebe Grüße

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  3. Den Film habe ich damals im Kino gesehen und war erst skeptisch. Das Werk hat aber auf ganzer Linie überzeugt und ich bereue keine Minute lang ihn gesehen zu haben. Tolle Darsteller, tolle Landschaftsaufnahmen und eine schöne Story. Lieben Gruß Katja

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