Schmetterling und Taucherglocke - poetischer Krankenhausalltag in Buch und Film

 Diese beiden ausgesprochen poetischen Werke, das Buch und den gleichnamigen Film Schmetterling und Taucherglocke, lernte ich während eines Seminars an der Uni kennen. Beide erzählen auf ihre ganz eigene Art die ungewöhnliche Geschichte eines Patienten, der am Locked-In-Syndrom leidet. Es ist ein wirklich trauriger Alltag, den der Protagonist hier erlebt, doch auf wunderbar poetische Weise nutzt er seine Fantasie, um sich eine eigene Welt zu schaffen. So ist eine Romanautobiografie entstanden, die auf sensible Weise beweist, wie wach der Geist in einem nach außen hin nahezu unlebendig wirkenden Körper bleiben kann. Ein berührendes Beispiel für die Kraft, welche man aus der Poetisierung des Alltags herausziehen kann.



Die Romanbiografie

Das Buch "schrieb" Jean-Dominique Bauby im Jahre 1996. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitschrift Elle war nach einem Hirnschlag vom Locked-In-Syndrom betroffen. Es handelt sich bei dieser Krankheit um eine schwere Form der Lähmung. Lediglich den Kopf und ein Augenlid konnte der Patient bewegen. Gefangener seines eigenen Körpers, von seiner Umwelt fast wie ein lebender Toter behandelt, erlernte Bauby eine komplizierte Form der Kommunikation. Eine Logopädin sagt das Alphabet auf und schreibt, durch sein Zwinkern gestoppt, den Buchstaben auf, den sie als letztes ausgesprochen hatte. Zeichen für Zeichen kann Jean-Dominique sich auf diese Weise Gehör verschaffen. Gemeinsam mit einer Verlagsmitarbeiterin bringt er so seine Geschichte zu Papier und lässt daraus ein Buch verlegen, das im Nu zum Bestseller wird.

Der Film

Julian Schnabel machte daraus einen der eindrücklichsten Filme, die ich je gesehen habe. Die Kamera wird über weite Strecken zum Auge Jean-Dos und lässt den Zuschauer in dessen Perspektive schlüpfen. So werden wir zu Zeugen der Reaktionen seiner Freunde und Familie. So erleben wir mit, wie der Protagonist sich an den Rollstuhl gewöhnt und wie in einer der wohl spektakulärsten Szenen der Filmgeschichte sein rechtes Auge zugenäht wird, um eine Infektion zu verhindern. Begleitet werden diese eindrücklichen Bilder von des Protagonisten leiser aber eindringlicher innerer Stimme, die im Voice-Over eingeblendet wird.



Neben dem Alltag im Krankenhaus zeigen Buch und Film Traumwelten des LIS-Patienten. Phantasien über das Gefühl in einer Taucherglocke festzustecken stehen darin neben der Idee als Schmetterling im Sommer durch Felder zu fliegen. Jean-Do lebt sich in diese Traumwelten ebenso hinein wie in angenehme Erinnerungen an seine Arbeit und an seine Geliebte, für die er, nur kurz vor seiner Krankheit, seine Frau verließ.

Kurt F. Domnik  / pixelio.de
Und jetzt: Lesen und Fliegen!

Ich könnte, wie man merkt, ewig über diesen Film nachdenken und davon schwärmen. Statt euch aber wertvolle Zeit zum Schauen und Lesen zu stehlen, möchte ich an dieser Stelle nur noch einmal dieses Meisterwerk ans Herz legen!



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One Response to Schmetterling und Taucherglocke - poetischer Krankenhausalltag in Buch und Film

  1. Noch nie davon gehört.. Muss ich aber glaub echt lesen!
    Falls du neue Bücher suchst wäre vielleicht meine Büchertauschbörse etwas für dich?
    Ich bin immer happy Leute zu finden, die genauso verrückt nach Büchern sind wie ich!
    xoxo
    Carlin

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