Transworld Identity

Puh, ich muss zugeben, in dieser Woche bombadiere ich euch geradezu mit Fragen, aber mir brennen einfach so viele davon unter den Nägeln und der Diskurs mit euch hat mir bisher schon viele praktische und theoretische Erkenntnisse gebracht. Heute bin ich mit meiner Nase auf ein Konstrukt gestoßen, das sich "Transworld Identity" nennt. Es ist ein bisschen philosophisch aber auch sehr literarisch, denn es geht dabei darum, dass Figuren eine solche Multi-Identität ausbilden, wenn sie z.B. wirklich gelebt haben, ein Buch über sie geschrieben wurde und auch noch ein Film. Unser Bild von Napoleon z.B. setzt sich zusammen aus historischen Zeugnissen, literarischen Texten wie u.a. von Tolstoi und dokumentarischen und künstlerischen Filmen. Schwups, schon bekommt eine historische Person eine transworld Identity.

Da wir ja hier aber auf einem Autorenblog unterwegs sind, möchte ich einmal versuchen, das Konzept anders herum auszulegen. Die oben beschriebene Art, eine Multiweltenidentität auszubilden funktioniert hauptsächlich darüber, dass alle Figuren bestimmte Basiseigenschaften (Napoleon ist ein Mensch, Franzose, Feldherr) und vor allem den Namen gemeinsam haben. Aber ist es nicht auch ein bisschen so, dass man sich als Autor eine transworld identity erschafft. Gut, wahrscheinlich könnte man heute sagen, dass jeder das macht. Schließlich gibt es uns real als Persönlichkeiten und dann verschiedene Varianten auf social media Plattformen. Dabei stellen wir uns auf Xing anders dar als auf Facebook, auf Twitter anders als auf einem Blog usw. Aber während dabei nur immer wieder andere Facetten einer Persönlichkeit dargestellt werden, schafft ein Autor sich auch gleich noch eine Welt dazu. Ich habe gestern über Räumlichkeit in Literatur nachgedacht und vielleicht macht genau diese den Unterschied. Ein Autor macht nicht nur seine Figuren lebendig, sondern erschafft auch einen Raum, den man mental betreten und erkunden kann. Er begibt sich ein Stück weit in eine andere Welt, um über diese schreiben zu können. Oder?

Ich finde es auch faszinierend, wenn Autoren nicht nur Figuren, sondern auch Alter Egos schaffen. Damit bringen sie sich selbst ja eigentlich immer wieder in neue "was wäre wenn"-Situationen und testen quasi ihre eigene Persönlichkeit in einer anderen Welt. Was passiert, wenn man sich so ein Alter Ego schafft und es trennt einen zwar der Name davon, aber nicht die Basiseigenschaften. Reicht das schon, um die Verbindung zu trennen, oder kann auch diese Figur zu einem Teil einer transworld identity werden? Wenn z.B. eine Persiflage auf Napoleon erstellt wird, bei der alle markanten Eigenschaften beibehalten werden, nur der Name nicht, würde diese nicht trotzdem zu einem Teil unseres Napoleon-Bildes werden? Dann müsste doch anders herum auch ein Autor X eine gemeinsame Multiweltenidentität mit einem Pseudonym Y aus einer Geschichte ausbilden können. Ist vielleicht auch dieser Aspekt des Schreibens eine treibende Kraft des kreativen Geistes?

Wie immer bin ich weit entfernt davon das Thema in Gänze zu durchdringen und hochgespannt auf eure Gedanken dazu!

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