Der Autor ist ein Leser

»Jeder Autor ist immer zuerst auch ein Leser«, so oder so ähnlich äußerte sich Daniel Kehlmann einmal in seinem Buch »Wo ist Carlos Montufar«. Auch bei meiner Beschäftigungmit der Possible Worlds Theory stoße ich immer wieder auf die Rolle des Lesers für die Kreation fiktionaler Welten. Demnach ist das, was wir beim Lesen von Romanen tun, uns die erzählte Welt vorzustellen, so ähnlich wie sich eine Welt ausdenken. Natürlich hat der Autor da auch eine wichtige Rolle, schließlich gibt er die Impulse, nach denen der Leser die Welt ausgestaltet. Ich finde die Idee einer solchen Symbiose sehr schön und darum wollte ich mich (und euch) heute fragen, wie man als Auto das Lesen für sich nutzt.

Wir hatten in letzter Zeit viele Plagiatsaffären und die Öffentlichkeit ist sich darum plötzlich sehr bewusst, was der Ideenklau bedeutet. Doch das meine ich hier nicht. Ich meine vielmehr die Anregung durch eine Art Enzyklopädie all dessen, was man gelesen hat. Manchmal kann man ja gar nicht verhindern, dass sich Figuren einschleichen, die auffällige Ähnlichkeiten zu anderen Charakteren der Weltliteratur zeigen. Gerade in der postmodernen Literatur, aber auch schon vorher, gab es ja die Idee davon, dass alles bereits erzählt worden ist. Reproduktion, Neuordnung, Wiederaufgreifen alter Themen und Geschichten wurde zu einem ästhetischen Programm.

Ich muss auch manchmal an die bildende Kunst denken. Früher ging man als Künstler in die Lehre eines Meisters. Die Kopie eines Stils war oft der erste Schritt zu einem eigenen. Für Schriftsteller gab es diese Art der Lehre weniger. Als Stilübung halte ich aber das Weiterspinnen von begonnen Geschichten, die Ausformung eines Nebencharakters in einer Erzählung oder ähnliche Spielereien nicht nur für sehr spaßig, sondern auch für ein gutes Training. Das Schreiben schult häufig auch ein aufmerksameres Lesen. Plötzlich fallen Eigenarten in Texten auf, die man wiederum in seinen Übungen ausprobieren kann. Auf diese Weise kann man die »natürliche Symbiose« von Lesen und Schreiben für sich nutzen.

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One Response to Der Autor ist ein Leser

  1. Guten Abend,

    ich kann Dir im Prinzip nur zustimmen. Von meiner persönlichen Erfahrung (meinem Buchprojekt) kann ich sagen, dass die Art und Weise [i]wie[/i] ich das Buch aufbaue inspiriert ist von einem Roman den ich einmal gelesen habe. Hierbei geht es also um Struktur, vielleicht passt das auch zur Thematik Deines Artikels.

    Ich denke aber generell dass kein Autor im luftleeren Raum schreibt. Zu denken, dass ein Autor nicht inspiriert ist von anderen Werken (Autoren) halte ich für eine Illusion.

    Liebe Grüße,

    Joachim

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