Zettelwirtschaft

Aus verschiedenen Quellen habe ich mir sagen lassen, dass Papier geduldig sei. Notizbücher, kleine Blöcke, Zettelkästen - dies sind Utensilien, die wohl am häufigsten mit der schreibenden Zunft in Verbindung gebracht werden. Auch der Satz "Fehler sieht man nur auf dem Papier" drang schon von unterschiedlichster Seite zu mir vor. Doch, wenn ich meinen Schreibtisch so anschaue (...ich habe noch nicht mal einen Schreibtisch) ist Papier so ziemlich das, was mir als letztes ins Auge fallen könnte. Statt dessen sitze ich auf meinem Sofa umgeben von liebgewonnener Technik, meinem Labtop, meinem Touchpad und meinem Handy. Mein Zettelkasten ist klein und gelb, nennt sich Ordner und liegt im Dateiformat unter "Dokumente" auf meiner Festplatte vor.

Aber nicht nur die Produktion meiner Texte läuft gemeinhin digital ab, auch die Inspirationsquellen sind es häufig. Ich lese Ebooks und schlage bei google.books nach ehe ich in die Bibliothek gehe. Während ich schreibe läuft im Hintergrund mein Mailprogramm, der Twitter-Account und meine Facebook-Seite. Musik höre ich übrigens auch über meinen PC. Nun habe ich das Gefühl, dass die meisten Dinge hier ganz gut handhabbar sind (sogar Fehler fallen mir am Bildschirm auf), bin aber durch das ständige Pochen meiner Umwelt auf die "alten Holzmedien" verwirrt. Verpasse ich etwas? Bin ich ein Nerd? Gibt es Schreibtechniken, die einfach nicht auf diese Weise erfassbar sind? Oder ist es eine Gewohnheitssache?

Die Fragen wirken vielleicht banal, doch sie beschäftigen mich tatsächlich schon seit Längerem und ich bin gespannt, was eure Tipps Tricks und Erfahrungen mit dem Schreiben 2.0 sind!

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9 Responses to Zettelwirtschaft

  1. Du bist kein Nerd, du bist einfach nur jung. Ich benutze zwar gerne noch Stift und Papier, um flüchtige Gedanken festzuhakten, das liegt aber meistens daran, dass ich keinen Laptop in Reichweite habe und ohnehin schon in er Flut unausgereichter Word-Dokumente ersticke. Und wenn man zu seinen Gedanken ohnehin Skizzen anfertigen muss, ist ein sogenanntes "Ideen-Buch" einfacher zu handhaben. Aber ansonsten arbeite ich auch nur noch rein digital. Selbst das gute alte Plotting konnte ich dank Scrivener auf meinen Rechner transferieren und so endlich viele zerstreute Dokumente eines Projekts in nur einer Datei zusammenführen.

    Dieses Pochen auf "Print" ist aber eher der älteren Generation geschuldet, die sich nicht mit der Technik geschweige denn mit dem Internet anfreunen können. Es verhält sich in etwa so, als würde man noch mit Feder und Tinte schreiben, nach dem die Schreibmaschine erfunden wurde. Nur ein Narr verweigert sich freiwillig einer Technik, die ihm das Leben einfacher machen will und kann.

    Ich bin zwar (noch) keine ebook-Leserin, aber das kommt sicher bald. Ich verbringe jeden Tag 9 Stunden oder mehr vor einem Rechner, da ist die Lust auf Lesen am Bildschirm irgendwie geschmälert. Trotzdem halte ich den Konsum von Druckmedien (also Büchern in dem Fall) zunehmend für Luxus. Auf der anderen Seite: wieso soll man 18 Euro für eine einzige Datei bezahlen, bei der bis auf ein paar Mausklicks keine "Druckkosten" entstanden sind? Ebooks sind wirklich kontrovers.

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  2. Ich persönlich sitze berufsbedingt auch fünf Tage die Woche je acht Stunden vor dem PC - da lese ich privat ungern E-Books. Generell - muss ich zugeben - lese ich lieber "handfeste Bücher". Ich liebe einfach Bücher - den Geruch, das blättern - ein E-Book könnte für mich sowas garnicht ersetzen! :) Und ein Notizbuch oder "Ideen-Buch" - wie das so schön meine "Vorschreiberin" genannt hat, ist für mich absolut wichtig. Unterwegs oder einfach mal zwischendurch hat man manchmal so tolle Eindrücke und Geistesblitze, die man schnell und einfach datieren kann. Ich bin nicht so der I-Phone-Typ! :) Nur ohne mein Notebook und mp3-Player kann ich auch nicht mehr leben!!! :) Es vereinfacht vieles!!!! Ich hoffe ich kam jetzt nicht so altmodisch rüber! :D

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  3. Ja, ich muss einräumen, nach einem Arbeitstag am PC greife ich auch nicht mehr zum Ebook ;) obwohl es wirklich auch toll gestaltete digitale Bücher gibt.
    Ich finde, das hat nichts mit "altmodisch" zu tun, ich frage mich einfach, ob es Techniken gibt, die nur analog fuktionieren. Z.B. das Notizbuch unterwegs ist genau so eine Sache, obwohl man da mit einem Tablet-PC auch ganz gut bedient ist.
    Ich frage mich einfach manchmal, ob es wirklich die Methode X gibt, die uneingeschränkt am besten fuktioniert. So zum Beispiel, ob das Fehlerlesen tatsächlich besser auf dem Papier machbar ist, oder, ob man vor eigenen Texten so oder so etwas verloren dasteht.
    Na, und natürlich interessiert mich auch einfach, was ihr so für Erfahrungen gemacht habt!

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  4. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  5. Entschuldige, ich habe einfach zu viele Fehler im ersten Kommentar gefunden. Da habe ich ihn wieder gelöscht. Außerdem ist mir noch mehr eingefallen ;)

    Die Sache mit dem Tablet-PC ist wohl in erste Linie eine Kostenfrage ;) So ein Gerät muss man sich schließlich leisten können. Es geht aber auch anders. Ich habe einen Bekannten - der mehr und mehr zum Co-Autor mutiert - der beispielsweise auf Evernote schwört. Damit kann man am Rechner, aber vor allem auf dem Smartphone Inspirations- und Ideensammlungen anlegen. Ist natürlich auch nicht schlecht, wenn einem unterwegs etwas markantes ins Auge springt. Leider besitze ich (noch) kein Smartphone, um Evernote selbst zu testen.

    Bestimmt gibt es einige Techniken, die man zum Schreiben nutzen kann. Aber ich glaube ja, dass jeder selbst herausfinden muss, wie er am produktivsten sein kann. Ob nun analog oder digital. Das fängt ja schon damit an, ob man beim Schreiben Musik hören mag oder nicht. Ich für meinen Teil, schreibe am liebsten in vollkommener Stille ;)

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  6. Ja, das stimmt, da hilft letzten Endes nur der Selbstversuch ;) Den habe ich jetzt übrigens gleich mal mit Evernote gestartet. Auf meinem Touchpad, das ich übrigens durch einen glücklichen Zufall während einer Aktion des Hestellers günstig bekommen habe (Apple hatte zu diesem Zeitpunkt gerade Samsung verklagt...), läuft jetzt die entsprechende APP und ich bin gespannt, was es für Möglichkeiten birgt.
    Die Notizheft-Sache geht mir aber auch noch nicht aus dem Kopf und ich glaube, ich probier halt mal beides und gucke, was sich leichter umsetzen lässt.
    Letztendlich ist es ja auch oft Stimmungsabhängig. Manchmal nervt einen die Technik auch, oder die Augen sind erschöpft, da man eh schon den ganzen Tag am Computer sitzt. ich finde übrigens mit Musik ist es ähnlich. Manchmal finde ich sie inspirierend und manchmal brauche ich Stille. Sogar essen und trinken sind bei mir so, dass sie mich manchmal unterstützen, gerade ein warmer Tee oder Schokoloade, und manchmal nervt mich Appetit nur, da er mich von Schreiben ablenkt.
    Da muss man dann wohl die Phasen so nehmen, wie sie kommen und das Beste aus ihnen heraus holen.

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  7. Habe auf http://niiice.de/ einen Eintrag zum Thema Schreibtipps gefunden. Besonders interessant scheint mir der Punkt, an dem der Autor ät, überall zu schreiebn und zwar - auf Papier! Wenn man dann nämlich später die Texte abtippt, hat man bereits die erste Überarbeitung im Kasten. Das hört sich in meinen Ohren äußerst sinnvoll an!

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    1. Ja, den Eintrag habe ich etwas später auch gefunden und gleich bei Tumblr gerebloggt. Recht hat er auf jeden Fall - wobei ich das Abtippen immer noch als eine unglaublich lästige Arbeit empfinde ;)

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  8. Ich schreibe ausschließlich digital, niemals auf Papier. Ich hasse es, auf Papier zu schreiben. Vor dreißig Jahren habe ich das Schreiben nach rund achthunderttausend Wörtern aufgegeben, weil ich die Zettelwirtschaft nicht mehr ausgehalten habe und die von vorne und von rückwärts und von der Mitte her nach beiden Seiten angefangenen Hefte nicht mehr sehen konnte. Erst nachdem ich mir vor fünfzehn Jahren den ersten PC angeschafft hatte, habe ich mit dem Schreiben wieder angefangen. Ich schreibe nur Reinschriften, alles, was ich schreibe, betrachte ich als Reinschrift. Ich streiche/lösche nichts, korrigiere niemals und überarbeite nichts. Alles bleibt stehen, wie es ist. Ich setze mich hin und schreibe. Irgendwas. Mal kurz, mal lang, so weit der Schreibfluß reicht. Selten mehr als tausend oder fünfzehnhundert Wörter am Stück, meist deutlich unter tausend, oft nur einige Zeilen. Sobald das Schreiben stockt, mache ich drei Zeilen Abstand, dann kommt das nächste Stück. Auf diese Weise entsteht ein riesiger Haufen Geschriebenes, ein Wörtergebirge. Das allermeiste, fünfundneunzig Prozent, ist Mist, das ganze ein gewaltiger Misthaufen. Aber große Misthaufen sind gute Dünger, aus denen gelegentlich Wunderblumen sprießen. Die kommen dann in mein Schatzkästchen, das zu plündern allein meiner Nachwelt vorbehalten bleibt.

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