Valentinstag...

Valentinstag ist wohl das beste Beispiel dafür, dass auch Tage poetisiert werden können. Als ich noch ein kleines Mädchen war, gab es diesen Tag bei uns noch gar nicht. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann er eingeführt wurde. Auf jeden Fall gab es ihn plötzlich, als ich heranwachsend war und bereits genug Schwierigkeiten damit hatte, ohne mindestens einmal im Jahr darauf gestoßen zu werden, dass niemand auf die Idee kam, mir eine Valentinskarte zu schenken. Nun ja, nach ausgiebigem Jammern ließ der ein oder andere Verehrer sich schon dazu reizen, es auszuprobieren und siehe da, es gefiel mir nicht. Ja, das spröde nordische Gemüt ist anscheinend wenig anfällig für berstende Herzen, dachte ich damals und war überzeugt davon, dass die Tradition »Valentinstag« bei uns keine langfristige Chance hat.

Pustekuchen...

Heute, gut zehn Jahre später scheint sich das Ritual des Dafür und Dagegen verfestigt zu haben. Das Radio weckt einen mit Grüßen zum Valentinstag und nicht nur im digitalen Universum fliegen platzende Plastikherzen durch die virtuelle Luft. Die dicke Bäckersfrau drückt mir die Brötchentüte in die eine und eine tiefrote Rose in die andere Hand. Der Gemüsehändler stellt ein Schild mit dem Titel:

»Gurkenherzen leider ausverkauft«

In seine Auslage und bietet statt dessen liebevoll selbst gebastelte Kresseherzen an.

Wieder daheim warten Grüße auf der Facebook-Pinnwand und #FF <3 auf Twitter. Amazon verschleudert Kindle-Schnulzen zum Nulltarif und jede zweite Plattform lockt mit einem Gewinnspiel. Ich bin verblüfft. Im ersten Moment frage ich mich ernsthaft, wo meine spröden norddeutschen Hinterwäldler geblieben sind, die sich früher so intensiv in Ignoranz geübt haben.

Viele hüllen sich heute wie damals in Schweigen und hoffen auf ein Ende des Herzchenzaubers. Doch einige wenige erheben die Stimme und stehen auf. Sie kämpfen für die Rechte von in Herzform gezwungenen Gurken und verzichten auf den Rosengrüße der Bäckersfrau. Sie posten weiterhin lieber Inhaltsschweres als luftige Herzensleere.
Nun, zurück zur Poesie, ich habe mich da wohl etwas verloren...

Ist es nicht wundervoll einen Tag für das Positive zu haben? Ist es nicht von selten schöner Erhabenheit einmal love and peace ganz offiziell zu huldigen? Sollte man nicht viel öftere einen Tag mit dicken Herzen und Rosen versehen, um dem grauen Alltag vor dem Fenster zu entgehen?
Wie immer warte ich gespannt, wie eure Meinung sich dazu verhält!

Ach ja und <3 happy valentines-day!

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