Die Künstlerpersönlichkeit oder der heiße und der kalte Mensch

Wieder einmal hat sich ein Gedanke aus unserer vorangehenden Diskussion in meinem Kopf festgesetzt. Es ist die Idee von einem "heißen" vs. einem "kalten" Schauspieler, demjenigen, der all sein eigenen Gefühle in eine Rolle gibt und demjenigen, der Distanz wahrt. Nun sind dies, wenn ich es richtig verstanden habe, zwei Techniken, die beide gleicher Maßen erlernbar und von ein und demselben Menschen ausgeführt werden können. In unserem wortreichen Austausch zum Thema Emotionen in der Literatur, ist hingegen die These aufgestellt worden, man müsse besonders ehrlich eigene Emotionen offen legen, um ein höchst mögliches Maß an Authentizität zu erreichen. Auch sei es von Vorteil, einen eigenen Stil zu entwickeln und vor allem brauche man Passion oder Talent oder einen irgendwie undefinierbaren Faktor X.

Auf der anderen Seite klang in derselben Diskussion an, dass Schreiben nicht zuletzt auch ein Handwerk sei. Die deutsche Sprache ein Werkzeug, welches man zu beherrschen lernen müsse. Emotionales Ventil und trockenes Handwerk zugleich, ist das der innere Kern des Schreibens? Oder muss man, wie auch in vielen anderen Bereichen oft schon von Praktikanten erwartet wird "halt für die Sache brennen"? Was macht dann eigentlich der kühle Charakter, der im Schreiben vielleicht nur eine Ausdrucksmöglichkeit von vielen sieht? Sollte der von Beginn an die Hände von dieser und auch jeder anderen "brotlosen" Kunst lassen?

Ich habe bereits in der Diskussion angesprochen, dass ein Roman, den ich am Wochenende fieberhaft (da so ergriffen) durchgelesen habe, diese Gedanken begünstigte. Es ist das Werk eines natürlicher Weise wohl eher kühlen Engländers, der aus der Perspektive eines "allwissenden" Erzählers beschreibt, wie eine junge Engländerin einen älteren Perser heiratet, der bereits zwei Ehefrauen hat. "Der englische Harem" ist ziemlich beschreibend, eine Innensicht der Figuren eher selten und der Stil ist meist schlicht und wenig pompös. Die Geschichte ist trotzdem so scharfsinnig und fein erzählt, dass sie mich mitgerissen hat, wie es schon lange kein Roman mehr geschafft hat. Ein Beispiel für einen "kalten" Schriftsteller? Ein meisterhafter Handwerker? Womit erklärt sich diese Faszination und, was noch viel wichtiger ist, wie erreicht man sie?

Mal ehrlich, was sind eure Emotionen beim Schreiben? Weckt es in euch tatsächlich das "One-and-only-Schicksals"-Gefühl oder ist es eher etwas, was ihr gerne lernen wollt? Wie immer bin ich auf eure Erfahrungen gespannt!

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